Immerhin habe ich zwei, drei Karten nach Hause geschickt (sind unterwegs, noch eine ganze Weile wahrscheinlich) und gross Weihnachtskäufe erledigt. Nicht für mich, aber für und mit der Mutter meiner Nachhilfeschülerin. Da die derzeit den Arm gebrochen hat (weiss nicht ob ich es schon erwähnt habe), habe ich mich bereit erklärt, mit ihr heute die Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und ich muss sagen, die Insel-Franzosen feiern Weihnachten gerne und exzessiv. So waren nicht nur die Supermärkte rammelvoll, sondern zum Ende der 5-stündigen Einkaufstour auch mein Auto. Das Weihnachtsfest ist also wirklich nicht gross unterschiedlich als in der Schweiz. Die Dekorationen und Auslagen in den Geschäften scheinen höchstens noch etwas übertriebener und natürlich gibt es die gut französischen Weihnachtsspezialitäten: Foie Gras (gestopfte Entenleber) und Bûche (Weihnachtskuchen in Baumstammform) ohne Ende.

Zudem gibt es bizarre Weihnachtserscheinungen, so zum Beispiel in Saint Denis letzten Sonntag. Dort gibt es tatsächlich einen kleinen Weihnachtsmarkt. Zwar ohne Glühwein und Lebkuchen, dafür aber mit Fisch-Curry und selbstgemachter Bananenkonfitüre. Und als Höhepunkt gab es dann eben letzten Sonntag eine kleine Parade, samt kleinen Zwergen und dem Sega (Lokalmusik) tanzenden Weihnachtsmann in Vollmontur auf seinem Schlitten. Und dass in der Gemütlichkeit der momentan herrschenden 30-33 Grad.

Naja, bei uns wird es beschaulicher zu und her gehen. Nachdem wie gesagt meine neue Mitbewohnerin Nina eingezogen ist (die schon fleissig und mit viel Talent die Wohnung umdekoriert hat) werden wir uns als Gastgeber eines Weihnachtsessen versuchen. Eingeladen sind ganze 15 Leute, ein bunter Mix aus Franzosen, Deutschen, Engländern und Schweizern (deutsch- und russischsprechend). Da ich das Chefkochzepter an mich gekrallt habe, wird das Menu gutschweizerisch ausfallen. Es gibt Filet im Teig mit Kartoffelgratin, Morchelsauce und Gemüse. Das Filet aber ohne gedörrte Pflaumen und die Morchelsauce ohne Morcheln, weil beides viel zu teuer. Dafür aber natürlich genügend Alkohol dazu.

Und da dieses grosse Dinner eben auch noch vorbereitet werden will, mache ich mich nun schleunigst vom Acker.
Ich möchte euch nun denn allen eine wunderschöne Weihnacht wünschen. Geniesst das Fest mit der Familie oder euren Nächsten und erfreut euch an der besinnlichen Stimmung. Und esst und trinkt nicht zu wenig!
Ich melde mich dann per Neujahrsblog wieder.
Joyeaux noël, merry christmas und frohe Weihnacht!
Kubi

































Heute Abend sass ich zum Beispiel mit Cloé auf dem Balkon und habe mich (notabene auf Französisch) über die Welt im Allgemeinen und über französische Gepflogenheiten im speziellen unterhalten. Und ich habe neue Sprichwörter gelernt, was ich ausserordentlich befriedigend finde. Eines kürt nun den Titel dieses Blog, das andere ist mein Favorit und heisst: „il faut pas chercher midi a 14 heures“. Ganz cool. Cloé ist Französin, also vom Festland, was hier „métro“ genannt wird. In der Pension gibt es eigentlich nur „métros“, was ganz lustig ist, denn wieso sollte man sich als Einwohner einer alten Kolonialmacht, die clevererweise die schönsten Kolonien auch heute noch mit haufenweise Schotter unterstützt, diesen Vorteil nicht zu Nutzen machen? Die meisten „métros“ hier sind übrigens Staatsangestellte, denn anscheinend kann man sich als französischer Staatsangestellter „se faire muter“, sprich also sich versetzen lassen. Und die coolen Typen entscheiden sich eben dann für La Réunion als Destination. Wie man denken kann, sind diese Leute auch so ein bisschen hippig drauf und rauchen extrem viel Cannabis, das macht Sie aber trotzdem sympathisch.



