Mittwoch, 23. Dezember 2009

Joyeux Noël!

Pünktlich wie ein gutschweizerisches Uhrwerk hier also der angekündigte Weihnachtsblog. Und auch wenn ich mich inzwischen nicht mehr als kompetenter Gesprächspartner betrachte wenn es ums Thema Stress geht, hab ich doch einiges zu tun momentan.
Immerhin habe ich zwei, drei Karten nach Hause geschickt (sind unterwegs, noch eine ganze Weile wahrscheinlich) und gross Weihnachtskäufe erledigt. Nicht für mich, aber für und mit der Mutter meiner Nachhilfeschülerin. Da die derzeit den Arm gebrochen hat (weiss nicht ob ich es schon erwähnt habe), habe ich mich bereit erklärt, mit ihr heute die Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und ich muss sagen, die Insel-Franzosen feiern Weihnachten gerne und exzessiv. So waren nicht nur die Supermärkte rammelvoll, sondern zum Ende der 5-stündigen Einkaufstour auch mein Auto. Das Weihnachtsfest ist also wirklich nicht gross unterschiedlich als in der Schweiz. Die Dekorationen und Auslagen in den Geschäften scheinen höchstens noch etwas übertriebener und natürlich gibt es die gut französischen Weihnachtsspezialitäten: Foie Gras (gestopfte Entenleber) und Bûche (Weihnachtskuchen in Baumstammform) ohne Ende.

Zudem gibt es bizarre Weihnachtserscheinungen, so zum Beispiel in Saint Denis letzten Sonntag. Dort gibt es tatsächlich einen kleinen Weihnachtsmarkt. Zwar ohne Glühwein und Lebkuchen, dafür aber mit Fisch-Curry und selbstgemachter Bananenkonfitüre. Und als Höhepunkt gab es dann eben letzten Sonntag eine kleine Parade, samt kleinen Zwergen und dem Sega (Lokalmusik) tanzenden Weihnachtsmann in Vollmontur auf seinem Schlitten. Und dass in der Gemütlichkeit der momentan herrschenden 30-33 Grad.

Naja, bei uns wird es beschaulicher zu und her gehen. Nachdem wie gesagt meine neue Mitbewohnerin Nina eingezogen ist (die schon fleissig und mit viel Talent die Wohnung umdekoriert hat) werden wir uns als Gastgeber eines Weihnachtsessen versuchen. Eingeladen sind ganze 15 Leute, ein bunter Mix aus Franzosen, Deutschen, Engländern und Schweizern (deutsch- und russischsprechend). Da ich das Chefkochzepter an mich gekrallt habe, wird das Menu gutschweizerisch ausfallen. Es gibt Filet im Teig mit Kartoffelgratin, Morchelsauce und Gemüse. Das Filet aber ohne gedörrte Pflaumen und die Morchelsauce ohne Morcheln, weil beides viel zu teuer. Dafür aber natürlich genügend Alkohol dazu.

Und da dieses grosse Dinner eben auch noch vorbereitet werden will, mache ich mich nun schleunigst vom Acker.
Ich möchte euch nun denn allen eine wunderschöne Weihnacht wünschen. Geniesst das Fest mit der Familie oder euren Nächsten und erfreut euch an der besinnlichen Stimmung. Und esst und trinkt nicht zu wenig!
Ich melde mich dann per Neujahrsblog wieder.
Joyeaux noël, merry christmas und frohe Weihnacht!
Kubi

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Belle de loin - loin d’être belle

Ein fröhliches Servus zusammen,
Ich hoffe es geht gut im kontinentalen Europa und dass die Bäuche noch nicht zu sehr angeschwollen sind aufgrund der Flut von Guetzli, Schoggi und anderen Süssigkeiten! Das kann einem durchaus auch im indischen Ozean passieren, denn inzwischen haben meine Mitbewohner und ich so viele „Päckli“ aus der Heimat gekriegt, dass wir mit dem Inhalt wahrscheinlich einem Ostafrikanischen Staat kurzfristig aus der Hungersnot helfen könnten. Aber man muss sich ja auch ein bisschen verwöhnen, ne.
Ja es tut mir natürlich leid ist der letzte Bericht schon wieder ein bisschen länger her. Immerhin habe ich eine exzellente Ausrede dafür, denn ja ich hatte nämlich Prüfungen. Als einiger der wenigen Erasmus-Studenten die nicht Geisteswissenschaften studieren habe ich nämlich auch echt ein bisschen was geleistet. So habe ich acht Prüfungen abgelegt, mündlich und schriftlich, und gefühlsmässig den Grossteil davon bestanden. Ich muss dabei aber zugeben, dass da auch ein gewisser „Erasmus-Bonus“, den einem die Professoren zuerkennen, im Spiel war. Anyway, jetzt sind Ferien und darauf habe ich mich schon sehr gefreut.
Und was für besser Konditionen für fünf Wochen Ferien als ständig eitel Sonnenschein und immer 30 Grad warm könnte es denn geben? Ich muss zwar zugeben, dass die Hitze langsam aber sicher zum Thema wird. Teilweise ist es tagsüber schon so warm dass einem etwas die Lust vergeht in der Mittagssonne am Strand rumzuhängen. Aber man kann immer noch in die schönen Berge zurückziehen oder sich in der klimatisierten Wohnung verschanzen, bis die Temperatur am späteren Nachmittag wieder angenehmer wird.
Momentan herrscht grosse Aufbruchs-Stimmung in der „Erasmus-Community“, die meisten sind unverständlicherweise nur für ein Semester auf die Insel gekommen und machen sich nun vom Acker. Natürlich nicht ohne auf dem Rückweg noch die eine oder andere umliegende Sehenswürdigkeit zu besuchen. Mauritius, Seychellen oder Madagaskar. Ich bleibe aber glücklicherweise nicht alleine zurück, einige Hartgesottene nehmen die Qual auf sich und bleiben ebenfalls noch ein paar Monate. So bin ich also von guten Freunden umgeben und freue mich schon auf das Weihnachtsessen auf dem Balkon und die Neujahrsfeier am Strand. Meine neue Mitbewohnerin aus dem exotischen Zürich zieht am Samstag dann auch hier ein, und so wird unsere kleine Schweizer-WG perfekt sein. Um uns selbst nicht zu sehr zu helvetisieren haben wir uns geschworen, französisch miteinander zu sprechen. Mal schauen wie dass dann klappen wird.
Die Aufregung nach dem Auto-Einbruch hat sich inzwischen auch wieder etwas gelegt. Die Versicherung bezahlt einen Grossteil der gestohlenen Gegenstände und die Türe wurde wie gesagt mit dem „organisierten Fenster“ wieder repariert. Inzwischen hat dooferweise der elektrische Fensterheber der anderen Türe seinen Dienst aufgegeben. Ist nicht schlimm, man braucht ja keine Fenster bei der Hitze hier ;-) Zum Glück lässt sich die Scheibe noch mittels manueller Gewalt öffnen und schliessen.
Ansonsten gibt es eigentlich nicht allzu viel Neues zu erzählen. Ich bin inzwischen stolzer Besitzer einer eigenen Angelrute und werde hart daran arbeiten, in den Ferien endlich mal einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Und da ich ja bekanntlicherweise in schwerster Weise Militärdienst-untauglich bin, werde ich mich eventuell als Kompensation dazu auf eine 7-tägige Tour durch hiesigen Berge begeben, notabene unmotorisiert. Aber sicher ist noch nichts.
Ich schliesse dann meinen kleinen Bericht mal wieder, bewusst ohne jetzt schon Weihnachtswünsche auszubringen. Das würde ich dann im nächsten Eintrag machen, ich hoffe ich schaffe das vor Weihnachten!
Heits guet und heit Sorg
Kubi

P.S. Stolen camera=no pictures. Next time maybe.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Des voleurs et des ignorants

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wie man hört fällt in der Schweiz bereits der erste Schnee während wir uns hier umgeben sehen von künstlichen Bäumen mit ebensolcher Beleuchtung. Weihnachtsstimmung nach unseren Massstäben kommt so garantiert nicht auf. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn immerhin herrscht hier weiterhin eitel Sonnenschein und zugegebenermassen bereits erdrückende Temperaturen.
Nach dem euphorischen Bericht letztes Mal wird dieser hier wohl eher eine negative Prägung erhalten, da es in den letzten Tagen leider einige „Absteller“ gab. Angefangen mit dem letzten Samstag, wo wir uns entschlossen haben den Geburtstag einer englischen Mitstudentin am schönen schwarzen Strand von Etang Salé zu feiern. Der Abend war dann auch wunderbar, mit gewohntem Barbecue am Strand, ein paar Drinks und ein paar Spielen. Das Aufwachen war dann leider etwas abrupt: Ein Spaziergänger weckte uns um 5:30 um mitzuteilen, dass in unsere beiden Autos, welche knapp 20 Meter von uns parkiert waren, eingebrochen wurde. Anscheinend hat in der Nacht irgendeine Gruppe jugendlicher Gangster ihr Unwesen getrieben, jedenfalls haben sie’s geschafft meine rechte Türe so zu verbiegen, dass sie ins innere der Karre gelangen konnten. Natürlich zersprang dabei die Fensterscheibe. Als Diebsgut haben Sie nebst dem (spottbilligen und halb-kaputten Autoradio) leider auch noch meine gut versteckten Wertgegenstände gefunden: Portemonnaie (natürlich mit sämtlichen Karten drin die man sich vorstellen kann), Kamera und Sonnenbrille. Sehr ärgerlich, aber immerhin zum Glück alles ersetzbar.

So habe ich mich dann am Montag direkt beim Autobastler des Vertrauens gemeldet (zwar ist das Auto versichert, aber der hohe Selbstbehalt hat mich von einer Meldung des Schadens abgehalten). Der hat sich die Türe angeschaut, und gefunden dass ich logischerweise ein neues Fenster als Ersatz brauchen würde. Das anschliessende Abklappern diverser Schrottplätze hat dann leider keinen Erfolg gebracht. Jedoch habe ich während dieser Tour, was man hier oft sieht, am Strassenrand einen anderen, verlassenen Mitsubishi Colt entdeckt und beschlossen, den als Ersatzteillager zu verwenden. So kam es dann, dass spätabends sich drei mit Werkzeug und Taschenlampe bewaffnete Jungs zum besagten Fahrzeug aufmachten, und sich in einer klammheimlichen und nicht ganz einfach durchzuführenden Aktion der rechten Vorderscheibe „bemächtigt“ haben. Da hat man sich gleich wieder wie fünfzehn gefühlt.
Sehr unerfreulich empfand ich selbstverständlich auch den Ausgang der Volksabstimmung vom Sonntag. Das Echo auf die Entscheidung den Bau von Minaretten in der Schweiz zu verbieten war bis in den indischen Ozean zu hören. Das lokale „Journal de l’Ile“ hat den Ereignissen sogar seinen Frontseitenkommentar gewidmet und selbstverständlich habt ihr ja auch mitgekriegt, dass sich sämtliche wichtigen ausländischen Medien (meist negativ) zur Schweiz geäussert haben. Ich weiss nicht genau was sich das Schweizer Stimmvolk dabei gedacht hat, aber dieser Entscheid wird in meinen Augen zur Katastrophe. Die Schweiz, die bereits nach der Finanzkrise einigen Imageschaden erlitten hat, verliert nun komplett ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Neutralität, Humanität, als Standort internationaler Organisationen und in ihrer Rolle als Vermittlerin. Zudem fragt man sich schon, was direkte Demokratie bringt, wenn damit mittels billiger Angstmache solche Entscheide herbeigeführt werden können. Das bereitet mir echt Bauchschmerzen.

Das Leben geht aber natürlich weiter und so habe ich auch noch ein paar tolle Sachen erlebt. Zum Beispiel war ich das erste Mal Gleitschirm fliegen. Ist zwar nicht saumässig aufregend (also so ein bisschen gekribbelt hat’s natürlich schon), dafür aber sehr schön die Insel ein bisschen aus der Vogelperspektive zu sehen. Und ich habe nun definitiv meine Reisepläne nach Südafrika aufgegeben und freue mich, die Sommerferien gemütlich zwischen Balkon und Strand verbringen zu können.
Sodeli, das war es dann auch schon wider mit Berichten und Eindrücken für den Moment. Bis zum nächsten Mal, haltet die Ohren steif und lasst euch nicht von extremistischen Moslems erwischen!
Kubi

Sonntag, 22. November 2009

Dolce Vita

Liebi Fründe us Graubünde, und natürlich auch aus allen anderen Ecken der grossen blauen Kugel.
Ich freue mich und bin gleichzeitig Stolz meinen Jubiläums Blog-Eintrag präsentieren zu können. Ist immerhin schon der 10. wenn ich richtig gezählt habe. Lassen wir nun aber die Fanfaren verklingen und konzentrieren uns aufs Wesentliche: Es ist Sonntag, ich sitze mit einem kiltzekleinen Katerchen und einem ebenso dimensionierten Sonnenbrand oben ohne (ja, jetzt darf man ein lautes Pfeifen von sich geben) auf dem Balkon. Sand in allen Ritzen vom nachmittäglichen Strandausflug. Wenn ich die Augen links rüberdrehe sehe ich das türkisblaue Meer, den dunkelblauen Himmel und ganz viele Surfer, die dem momentan übertrieben massiven Wellengang nicht ganz gewachsen sind. Genau, ich bin umgezogen. Dolce vita, einfach herrlich.

Der neue Wohnort heisst Saint Gilles les Bains und ist laut Eigenwerbung „la premiere station balneaire de la Réunion“. Es ist tourisitisch hier, zugegebenermassen, aber verglichen mit den uns bekannten Touri-Kolossen am Mittelmeer sehr angenehm. Keine Hotelhochhäuser, dafür ein schön gemachter Hafen, viele kleine Läden und eine sympathische Ausgehmeile. Die Lebensqualität wird zusätzlich dadurch erhöht, dass alles schön zu Fuss erreichbar ist. Ihr seht, mir gefällt es ausserordentlich. So sehr, dass ich mir ernsthaft überlege, meine Südafrika-Reisepläne für Januar aufzugeben. Blöderweise habe ich schon einen Teil der Flüge gebucht und bin zurzeit in Unkenntnis über die Kosten einer Annullation. Gegebenenfalls würde mich auch ein Besuch der „umliegenden“ Inseln reizen, da wären zum Beispiel die Komoren, die Seychellen oder das zukünftige neue französische Departement Mayotte. Dummerweise haben alle dies Inseln ein lächerlich hohes Preisniveau, aber eine Büchse Ravioli könnte man ja auch mitnehmen… Diese Entwicklung befindet sich aber erst einmal im Gedanken-Stadium, ich werde aber selbstverständlich über die Pläne frühzeitig orientieren.
Ansonsten geht das Leben seinen gewohnten Lauf. Die Vorlesungen an der Uni sind beinahe beendet, es wird also in Bälde eine kurze aber intensive Lernphase folgen müssen.

Des Weiteren ist das Projekt Deutsch-Nachhilfe gut angelaufen. Ich habe bislang zwar nur eine Schülerin, die ist dafür supersüss und sehr gelehrig. Da Ihre Mutter mit mir zusammen studiert, habe ich auch noch einen guten Kontakt gefunden um dringendst benötigte Zusammenfassungen zu erlangen.
Ansonsten gibt es zugegebenermassen wenig Neuigkeiten, was ja auch nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen ist.
Vielleicht noch zum Abschluss ein paar Müsterchen aus der hiesigen Tierwelt, insbesondere der gefährlichen Viecher. Und davon gibt es viele, vor allem im Meer. La Réunion kennt anscheinend, verglichen mit der Grösse, eine sehr hohe Anzahl von Hai-Attacken. Insbesondere stellt dass für die Surfer ein Problem dar, so habe ich auch schon von einem Freund gehört, das er plötzlich von einem grossen Schatten verfolgt wurde. Des Weiteren gibt es auch viele bunte und schöne Fische, so wie man sie aus „Nemo“ kennt, darunter aber auch einige die durch blosses berühren heftige Anfälle auslösen können, der so genannte Steinfisch hat anscheinend diese Eigenschaft. Und auch auf dem Land muss man teilweise vorsichtig sein. So habe sass ich jüngst bei Freunden auf der Veranda, als plötzlich Hektik ausbrach. Es stellte sich dann heraus, dass die Jungs einen Hundertfüssler gesehen haben und mit grossem Tamtam dann umgebracht haben. Ich fand es Anfangs etwas übertrieben, bis ich dann erfahren habe dass die spezielle Art Hundertfüssler die es hier gibt das giftigste Landtier auf La Réunion ist. Gut zu wissen.

Das wärs dann auch schon wieder von meinen Erzählungen gewesen. Ich hoffe euch geht’s allen auch so gut wie mir, habt Sorg, bleibt fröhlich und lasst euch nicht vom Samichlaus erwischen.
Herzallerliebste Grüsse
Kubi

Dienstag, 10. November 2009

La vie c´est comme la mer est ses marées. Un jour on est à sec, l'autre on est à flot.

Hocherverehrte Damen und Herren,
Die Zeit rinnt mir durch die Hände, denn obwohl sich La Réunion selbst als „capital of relaxed lifestyle“ bezeichnet (so jedenfalls auf einem T-Shirt für Touristen gesehen), habe ich den Eindruck dass alles wahnsinnig schnell geht.
Das liegt zum einem sicher auch daran, dass sich meine universitären Aktivitäten jetzt zum Semesterabschluss hin merklich verstärkt haben. Und um den vermehrten Nachfragen mit aller Deutlichkeit zu widersprechen: Ja, ich gehe auch an die Uni. Ich schreibe zurzeit an einer Arbeit über die diplomatischen Beziehungen der Schweiz im 19. Jarhundert (notabene in der allseits geschätzten Sprache der Liebe) und werde im Dezember ungefähr 6 Examen ablegen müssen, davon zwei mündlich. Ich bin jedoch der festen Überzeugung dass sich diese Phase als relativ kurzfristige Anstrengung heraustellen wird und ich bald wieder an den schönen Stränden den schönen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts verstohlen hinterher gucken kann ;-)
Nebst den universitären bin ich auch mit ausseruniversitären Aktivitäten äusserst beschäftigt. Inzwischen haben die Segelkurse angefangen. Davon bin ich wahnsinnig begeistert und überlege bereits lebhaft, ob ich nicht meine Karre gegen ein viel ökonomischeres Segelboot eintauschen sollte. Das wäre wahrscheinlich ein bisschen vorschnell, der Kurs fand erst zweimal statt, aber immerhin war ich schon als „Capitaine“ mit meiner eigenen Crew auf den Weiten des Ozeans unterwegs! Daneben versuche ich auch noch mein Haushaltsbudget gegen den teuren, Réunionesischen Lebensstil zu schützen, indem ich Jugendlichen Franzosen versuchen werde, Deutsch beizubringen. Ich nehme mal an dass dies nicht ganz einfach wird, ohne jetzt die generelle Fremdsprachenfähigkeit der französischsprachigen Bevölkerung kirtisieren zu wollen.

Des Weiteren darf ich auch freudvoll mitteilen, dass der Umzug in die neue Wohnung nun definitiv klappen wird. Am Sonntag kam die sehr relaxte Vermieterin vorbei und ich bin nun also stolzer Mieter einer Wohnung mit Strand- und Meersicht. Noch mehr Freude macht natürlich, dass der französische Staat aller Voraussicht nach einen nicht unbedeutenden Teil der Miete übernehmen wird, 72 Euro und 33 Cent monatlich sind nach provisorischen Kalkulationen zu erwarten (selbstverständlich sind aber vorher noch mindest 3 Behördengänge zu erledigen). Da lobe ich mir doch das soziale Frankreich und komme mir auch fast gar nicht als Sozialbetrüger vor. Den Umzug an die paradiesische Lage werde ich dann nächstes Wochenende vornehmen.

Da bekanntlicherweise das Leben eine Achterbahn ist, gibt es auch noch negatives zu vermelden. Da wäre zuerst mal der erste Vorgeschmack eines tropischen Sturms der am Wochenende die Insel „heimgesucht“ hat. Dabei hat es ca. 36 Stunden so heftig durchgeregnet, dass Steine von den Bergen hinunterpurzelten und Hafenbecken fast überliefen. In einem Fall musste ein künstlicher Hafenausgang durch meinen Lieblingsstrand hindurch gebaggert werden, damit das Wasser ablief. Dadurch waren die Boote gerettet aber mein Strand ruiniert. Ich gehe aber stark davon aus, dass diese Unerträglichkeit bald wieder korrigiert wird.
Sehr unerfreulich verlief auch der Sonntag Abend, man hat mich nämlich meines Handys beraubt. Zugegebenermassen war ich an diesem Abend in einer Bar unterwegs mit dem schönen Namen „La Guele de Bois“ (vgl. Eintrag vom 10.09.09), Details des „Raubs“ bleiben mir und der Allgemeinheit deshalb verborgen. Aber ich weiss dass es gestohlen wurde, weil ich den Räuber am nächsten Tag am Telefon hatte. Der wollte aber nicht ganz auf mein Angebot, dass ich mein eigenes Handy zurückkaufen würde, eingehen, und so musste ich halt die Karte sperren und mir ein neues Handy poschten. Ärgerlich, weil viele Kontakte und schöne Bilder verloren gingen. Immerhin ist aber meine Réunion-Nummer noch die alte und ich habe selbstverständlich keine anderen Schäden von diesen Vorkommnissen davon getragen.
Ich hoffe ihr erfreut euch an den weissen Bergspitzen und den kuscheligen Winterjacken. Ich wünsche von Herzen alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüssen bis zum nächsten Mal.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Vom Wetter, Vulkanen und Religionen


Liebe Festländer,
Hier mal wieder ein kleines Update aus der „Region in äusserster Randlage der EU“. Es lebt sich weiterhin gut, keine grösseren Klagen sind vorzubringen, meinerseits jedenfalls nicht.
Wettermässig (ich weiss, jetzt fang ich schon wieder damit an, aber das Thema eignet sich halt so gut als Einstieg) hat sich in den letzten Tagen ein wenig ein Umschwung vollzogen. Nebst der kontinuierlichen Temperaturzunahme gibt es (jetzt schon?) immer mal wieder ein paar Tropenschauer. Meistens nur abends, nur kurz, aber sehr heftig! Je nach Region wo man sich aufhält, kann der Regen aber schon auch mal länger dauern. So geschehen am letzten Sonntag, als wir frohen Mutes um 9 Uhr morgens (!!!!) aufbrachen, um eine Wanderung zum „trou de fer“ (etwas Wasserfall-artiges) vorzunehmen. 5-6 Stunden sollte das ganze dauern, was ich doch als gute Herausforderung an meine Kondition empfunden habe. Aber eben, bereits die Fahrt zum Ausgangsort „Hell-Bourg“ war von strömendem Regen begleitet, so dass wir uns zum Abbruch der Übung entschieden haben. Stattdessen haben wir mit meiner alten dafür unzuverlässigen Mitsubishi-Schüssel einmal die Insel umrundet, was auch ganz reizvoll war. Insbesondere die Ostküste der Insel ist faszinierend, denn dort fliesst die Lava hinunter wenn sich der mächtige Piton de la Fournaise zum Ausbruch entscheidet. So kann man also mit dem Auto der Strasse entlang fahren und die mächtigen schwarzen Ströme sehen, die sich bis ins Meer hinunter schlängeln. Das letzte solche Lavafeld vom Ausbruch 2007 ist noch nicht vollständig erkaltet. Bei Regen steigt noch Rauch aus dem Feld auf und man kann an gewissen Stellen die Hitze fühlen. Beeindruckend. Der Vulkan ist dann auch die Haupt-Touristenattraktion der Insel und so komisch dass es auch klingen mag: eigentlich wartet hier jeder wieder auf einen Ausbruch (laut Zeitung verzeichnet der Vulkan tatsächlich auch wieder eine erhöhte Aktivität).

Dann war natürlich auch wieder Party angesagt, diesmal in meinem zukünftigen Wohnort Saint Gilles. (Der Umzug dorthin scheint sich zu konkretisieren und ist für den 15. November geplant). Mein guter Freund Manu hatte seinen Geburtstag zu feiern und zu diesem Anlass eine monstermässige Sause organisiert. Und weil das Wetter (jaja) wie gesagt hier relativ angenehm ist, gibt es Clubs und Bars mit Swimming Pool. Muss man ausnützen, ist herrlich!

A propos herrlich, auch in La Réunion ist nicht alles Gold was glänzt. Bislang war man allgemein der Ansicht dass die Insel Kriminalitäts-mässig harmlos sei. Ist sie auch, im Grossen und Ganzen, aber dennoch, ich nehme an wie überall, treiben sich auch sehr zweifelhafte Gestalten umher. Insbesondere schien die Uni in den letzten Tagen ein bisschen ein Hot-Spot geworden zu sein. Auf dem Uni-Campus befinden sich einige Studentenwohnungen, wo auch viele Erasmus Studenten untergebracht sind. Und obwohl das Gelände „gesichert“ ist (na ja, hoher Zaun und Security-Guards die patroullieren, aber jeder Säugling kennt die Stelle bei der Brücke, wo der Zaun nicht geschlossen ist), kam es zu ein paar versuchten Einbrüchen in die Zimmer (anscheind via Erklettern der Fassade) und zu Schlägereien auf dem Gelände. Da bin ich doch fast wieder froh nicht dort zu wohnen ;-)
Und aus aktuellem Anlass will ich noch etwas über das Miteinander der Religionen wiedergeben. Schliesslich findet ja Ende November in der Schweiz eine weitere unsägliche Abstimmung statt, die m.E. mal wieder Ängste der Bevölkerung auf popularistische Weise auszunutzen versucht, ohne irgend einen Erfolg herbeizuführen (wenigstens haben das auch die Herren Maurer und Spuhler verstanden). In La Réunion gibt es gute zwanzig Prozent Hindus und Muslime, die alle ihre Religion vollumfänglich praktizieren. So steht mitten in der Innenstadt eine grosse (und schöne) Moschee inklusive Muezzin der abends über die Dächer ruft. 100m davon steht ein prunkvoller Hindutempel und die gleiche Distanz in die andere Richtung eine herrliche alte Kirche. Auch die Hindus machen auf sich aufmerksam und feiern gerne bunte Feste. Die sind übrigens so schön, dass die ganze Bevölkerung jeweils mitfeiert (inklusive die Uni, wo Hindu-Tänzerinnen das Mittagessen begleitet haben. Direkt neben der Uni steht übrigens auch noch eine Moschee). Probleme? Keine. Wieso auch, macht ja niemand etwas böses, und Terroristen die sich in den Minaretten verstecken habe ich auch noch keine gesehen. Eh ja, nur so zum sagen, es geht auch anders.

Dann wäre ich auch schon wieder am Ende meines kleinen Berichts angelangt. Donnerstag geht’s dann das erste Mal segeln und am Wochenende eventuell ans Konzert von „The Wailers“.
Bis Balde im Walde!
Kubi

Montag, 19. Oktober 2009

974, c’est ici que je vie!


Helas meine Damen und Herren,
Ich hoffe es geht euch immer noch gut im schönen Schweizerland, trotz dem eklatanten Temperatursturz denn ihr anscheinend erleiden musste. Ich suhle mich immer noch bei wohligen knapp 30 Grad, aber nicht dass ich jetzt damit angeben möchte. Das Wetter (nein, ich habe nachher tatsächlich auch noch über spannenderes zu berichten) ist hier echt lustig. So kann es durchaus vorkommen, dass es in Saint-Denis warm und sonnig ist, 30 km der Küste hinunter eine apokalyptische Sintflut (ich spreche von 10cm Wasser auf der Strasse innerhalb von knapp 20 Minuten Regen) herrscht und weitere 15 km später wieder die Sonne scheint. Muss ein Paradies für Geographen sein, Mikroklimas everywhere!

Seit dem letzten Bericht hat sich glücklicherweise einiges getan. Nicht nur das die Haare an meinem Arm langsam blond werden, nein auch wirklich zukunftsweisendes! So habe ich nach langem Überlegen und rumsuchen nun eine einigermassen Studentengerechte Methode gefunden, wie ich meine Semesterferien in Südafrika verbringen kann. Dazu musste ich auch nur einen Flug verschieben, drei Flüge und zwei Schiffspassagen buchen. Ich mag aber abenteuerliches Reisen und so werde ich vom 17. Dezember bis am 18. Januar auf dem Festland im Kreise von Freunden weilen. Jupii!

Um nochmals aufs Wetter zurückzukommen (jetzt nicht gähnen) es gibt einen Ort an der Westküste namens Saint Gilles, wo eigentlich immer die Sonne scheint. Obwohl dort oft nachmittags schwarze Wolken den Berg hinunterkommen, erreichen die nie diesen wunderschönen Ort mit grosszügigem Strand. Und die Sonne scheint auch Abends im Herzen der Menschen beim Besuch der zahlreichen Bars und Clubs. Lange Einleitung kurzer Sinn, in diesen Ort werde ich am 15. November umziehen. Höchstwahrscheinlich, denn sicher ist ja bekanntlicherweise nichts, und schon gar nicht in la Réunion. Aber ich bin guter Dinge (und habe eine mündliche Zusage) bald eine kleine WG mit vielen Deutschen in unmittelbarer Strandnähe bewohnen zu können, und die Wohnung dann ab Januar mit einer netten Zürcherin zusammen zu übernehmen.

Jo daneben gibt es eigentlich nicht’s mehr weltbewegendes zu erzählen. Die üblichen Parties halt, einmal grosser Pokerabend bei uns zu Hause (und ich war gar nicht mal soo schlecht) und einmal Strandparty (aufwachen mit sandigen Haaren inbegriffen). Passt mir jetzt nicht so, dass die Seite noch nicht voll sind, deswegen noch zwei vielleicht interessante Alltagsepisoden: Die erste ist übers einkaufen, ich habe schon erwähnt dass La Réunion nicht gerade ein Paradies für Dagobert Duck’s Nachkommen ist. Dabei fehlt es an nichts, die Supermärkte sind riesig und die Regale meist prall gefüllt, ausser wenn ein Versorgungsschiff Verspätung hat. Jedoch kann eben das Einkaufen schon deprimierend werden. Insbesondere wenn man seinen Mitbewohner mit einer Aargauer Rüeblitorte überraschen will. Rüebli sind günstig, Zucker sowieso. Aber in eine bodenständige Rüeblitorte gehören halt gemahlene Mandeln, 250 Gramm wie Betty Bossi zu wissen scheint. Gemahlene Mandeln hängen im Supermarkt gleich neben den Geburtstagskerzen, und kosten stolze 6 Franken das Päckli. Dummerweise nur 125 Gramm im Päckli, also mussten zwei her. Das ergibt also vom Kilopreis her etwa Schweizerisches Rindsfilet (was ich denn Mandeln auch vorziehen würde, dummerweise ist solches hier noch teurer).
Die zweite ist über den verbreitenden Alkoholismus im Strassenverkehr. Nicht während dem Autofahren, da wurde es noch nie bedrohlich. Aber die Fussgänger, die können teuflisch sein. So kann es am heiterhellen Tag vorkommen, dass sich ein älterer Herr entscheidet, mitten auf der Strasse sein Mittagsschläfchen abzuhalten. Der war dann auch durch penetrantes Hupen nicht mehr aufzuwecken, also blieb nur noch der Weg übers Trottoir… 30% Arbeitslosigkeit und 49%iger, spottbilliger Rum ergeben halt 79% Betrunkene!
Nun gut, zuletzt bleibt noch die Erklärung des Titels. Der hat mit Lokalpatriotismus zu tun. 97 ist die Departementsnummer von La Réunion und 97400 die Postleitzahl von Saint Denis. Und in Frankreich scheint das ein Zeichen von Zugehörigkeit zu sein. 974 findet sich also auf zahlreichen T-Shirts, Autos und in lokalen HipHop Songs. Yeah Yeah.
Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu viel Belangloses gebrabbelt habe und verbleibe mit den freundlichsten Grüssen und besten Wünschen bis zum nächsten Mal.
Kubi

Sonntag, 11. Oktober 2009

La bonne ambiance



Liebe Liebende,
Endlich ist es so weit und es gibt wieder etwas zu lesen. War auch ziemlich viel los in letzter Zeit, dazu aber etwas später. Ganz allgemein geht es mir immer noch ausgezeichnet, bin wohlgenährt und dennoch gesund ;-) Einzig der Uni stehe ich trotz regelmässigen Besuchen immer noch kritisch gegenüber. Ich will ja auch nicht zu viele ECTS-Punkte holen und mir dann aufgrund der schlechten Ausbildung die Karriere versauen, da mache ich besser nicht zu viel ;-) (Keine Angst liebe Erziehungsberechtigte, nicht zu viel ist auch genug!).
Eines habe ich an der Uni aber auf alle Fälle gelernt, und das hat mir etwas zu denken gegeben. Deswegen wollte ich das an dieser Stelle mal wiedergeben: Die Schweiz, mein/unser gutes Heimatland hat im Ausland inzwischen einen wirklich schweinisch schlechten Ruf. Ich vergleiche mein Jahr hier (allzu) oft mit dem Austauschjahr in Südafrika und ich weiss nicht ob es nur ein Zufall ist, aber damals (02/03) war die Reaktion auf meine Schweizer Herkunft immer durchwegs positiv, beeindruckt und ein bisschen neidisch. Heute sind wir Europa’s Clowns. Zurückgeblieben, veraltet, geldgierig und rechts-populistisch (das schwarze-Schaf-Plakat kennt halb Europa). Es ist schon so, dass die Leute in Reunion politisch einiges besser informiert sind in Südafrika, aber so krass kann der Unterschied eigentlich nicht sein. Ich weiss nicht wieso ich das erwähne, aber ich denke für die Daheimgebliebenen ist es vielleicht gut zu wissen, wie die internationale Auffassung so aussieht. Und falls jemand politisch engagiertes das liest: werdet bitte progressiver! Nun genug politisiert.
Wie gesagt, von den Ausser-Universitären Aktivitäten gabs in letzter Zeit wie gesagt einige. Erwähnenswert ist sicher die Party, die wir in unserem WG-Haus veranstaltet haben. Erasmus-Studenten sind ja anscheinend immer dankbar wenn etwas läuft und so kam es auch, dass sich trotz des zurückhaltenden Verteilens von Einladungen gute 50 Leute auf unserer Terrasse und im Garten versammelt haben. Die Party war dann auch „comme il faut“: laute Musik, interhumanoide Aktivitäten und, natürlich, Rum mit Früchten in 4,5 Liter Flaschen. Es war sogar so gut, dass einige erst 24 Stunden nach Party-Beginn wieder gegangen sind. Zudem haben sich meine Mitbewohner als wirklich gute und unkomplizierte Leute erwiesen.

Danach folgte eine kurze Pause mit kleinen universitären Aktivitäten und schon war es Zeit meinen Geburtstag „Island-Style“ zu feiern. Auch das war hervorragend und dauerte ebenfalls rund zwei Tage vollgefüllt mit Festivitäten, inklusive einer ruhigen und einer ausschweifenden Party und Frühstück (mit Champagner) ans Bett von meinen Mitbewohnern serviert. An dieser Stelle noch ein ganz herzliches Dankeschön für die vielen Glückwünsche von der anderen Seite der Welt, denen ich noch nicht persönlich gedankt habe.
Nach der Party folgte ein intensives Weekend das seinen Anfang in Saint-Gilles fand. Kurz gesagt war ich nach einem Nachmittag am Strand bei Freunden in der WG (mit Strandsicht) zu Gast, wo nach einem schönen Aufwärmen ein intensiver Ausgang folgte. Saint-Gilles ist die Partymetropole und das Strandmekka der Insel. Ich bin übrigens schon mit Leuten in Kontakt getreten und werde versuchen nach Ablauf meiner WG-Zeit dorthin zu ziehen. Das Leben dort ist einfach fantastisch. Und für alle potentiellen Reunion-Besucher: Freut euch, wenn das Projekt klappt wird’s richtig gut ;-) Der Rest des Weekends war dann diversen Schönheiten gewidmet, leider nicht menschlicher Art, da sind die Fortschritte eher schleppend. Ich spreche eher von traumhaften Wasserfällen mit azurblauen Pools, beeindruckenden schwarzen Steilküsten und abenteurlichen Wanderungen.

Dazu kommen ca. 3 ganze verzehrte Hühnchen vom Strassenrand (gegrillt natürlich, die sind echt super und ausserdem etwas vom wenigen fleischhaltigen was man sich hier überhaupt leisten kann. Reunion ist Lebensmittel-mässig schon sehr kostspielig, jedenfalls wenn man sich wie ich gerne mal was gutes gönnt ;-) Jaja, es gibt immer noch haufenweise Sachen zu entdecken hier. Die Planung für die nächsten Wochen steht zwar noch nicht, aber nebst dem Uni-Teil werden sicher noch einige Wanderungen auf dem Programm stehen. Und Ende Oktober geht der Segelkurs los, worauf ich mich tierisch freue.
So, ich gehe bereits schon gegen das Ende zu und hoffe dass der kleine Text den Informationshunger etwas stillt. Ich freue mich übrigens sehr, von wie vielen Leuten der Blog anscheinend gelesen, auch von solchen die ich nie als Leser erwartet hätte ;-) Macht weiter so, dann schreibe ich vielleicht auch mal wieder was! ;-)
Hebet Sorg und hebets guet und vorauem „löht nech nüt lo gfaue“ (Zitat B. Huber)
Kubi

Dienstag, 29. September 2009

C'est avec les vieilles casserolles qu'on fait les meilleures soupes!



Liebe Daheimgebliebene. Wie befürchtet geht’s nicht mehr ganz auf mit dem wöchentlichen Schreibrythmus, aber eigentlich bin ich ja immerhin noch einigermassen nah dran. Und nach dem eher technischen Eintrag von letztem Mal probiere ich mich jetz auch wieder etwas dem Erlebten zu widmen.

Also zuerst mal geht es mir immer noch ganz gut hier, die befürchteten grippemässigen Schweinereien sind nicht eingetreten und ich erfreue mich also noch guter Gesundheit. Zur Verbesserung derselbigen habe ich mir übrigens einige Resolutionen in den Kopf gesetzt, die teils auf gutem Wege sind und teils trotz willigem Geist am schwachen Fleische scheitern. Details zur Aktion Gesundheit werden aber erst bei sichtbaren Erfolgen veröffentlicht, also Geduld bitte.

Nun in der Zwischenzeit ist nicht mehr ganz alles so aufregend hier wie es einmal war, der Mensch (und ich im Besonderen) ist ja ein Gewohnheitstier und so hab ich mich jetzt doch auch an den hier üblichen Tagesablauf gewöhnt. Der besteht übrigens aus überraschend und enttäuschend vielen Vorlesungs-Besuchen. Ganze 19 Stunden in der Woche, und dann erst noch volle Stunden, nix hier mit akademischer Viertelstunde. In Fribourg bin ich wohl in einem Monat nicht so viel an die Uni gewesen. Aber es geht schon ganz gut, da ich hier zumindest vorläufig nicht arbeite bleibt dem armen Studi noch genügend Zeit um die Insel zu entdecken, lange zu schlafen und daneben noch den armen Leuten zu helfen, die lokalen Alkoholvorräte zu reduzieren. Lagerplätze sind schliesslich teuer. Ihr seht, also schon alles fast wie zu Hause. Ist übrigens tatsächlich so, dass sich die Insel mit der längeren Aufenthaltsdauer als immer wie europäischer entpuppt. Die Unterschiede sind wirklich nicht augenfällig gross, ausser natürlich Landschaft und Klima. Gut, man hat mir gesagt, dass an versteckten Orten im Innern der Insel der Lebensstil dann doch ein anderer sein würde, aber da war ich bislang noch nicht. Die Leute die ich kennenlernen durfte sind auch von der Mentalität her eher Europäer, das heisst für mich etwas reserviert (aber durchaus freundlich und hilfsbereit) und vor allem gut informiert und gebildet. Hat schon etwas faszinierendes, dass sich Frankreich 10'000 Kilometer entfernt quasi ein petite France erschaffen hat, dass dann auch noch so gut funktioniert. Das fasziniert mich sogar so sehr, dass ich an der Uni Kurse über die Region hier Besuche, zum Beispiel „politische Geschichte des indischen Ozeans“. Klar, ist ECTS und Karrieremässig für die Katz’, aber spannend allemal. Oder wer von euch hätte gewusst, dass sich die Insel Mayotte im Jahre 1974 als einzige der Inseln des komorischen Archipels für die weitere Zugehörigkeit zur französischen Verwaltung ausgesprochen hat. Spannend, ne?

Eben, dann haben wir an den Wochenende noch die eine oder andere Tour unternommen. Das Auto hat dabei schon sehr geholfen, meine lieben Erasmus-Freunde sind teilweise vier Stunden im Bus, was ich in einer Stunde mit dem Auto schaffe. Da freu’ ich mir doch ein zweites Loch in den Arsch (ja, ich hänge hier zum Teil mit Deutschen rum). Die Karre fährt auch immer noch gut, obwohl manchmal das Gaspedal auf halbem Weg klemmt und der Auspuff ein Loch hat. Und der Colt hat unheimlichen Benzindurst, säuft locker 10 Liter auf 100 Kilometer. Umweltschutz ist halt doch was für Reiche. Jedenfalls waren wir das noch mal richtig in den Bergen wandern. Das hat hier schon echt geile Panoramen. Man könnte meinen, man sei sich die Berge gewohnt, aber dann steht man doch wieder staunend davor. Dann haben wir das erste Mal am Strand übernachtet, was schon auch cool ist. Wie gesagt sind die Strände hier eher wild und unbebaut, was besonders nachts eine sehr spezielle Atmosphäre kreiert. Und dann war da noch das Manapany Surf Festival vergangenes Wochenende. Als grosses Festival mit Surf-Wettbewerben und drei Bühnen angekündigt war es dann doch eher ein grösseres Dorffest in einer Wohngegend in Strandnähe. Dafür aber mit super Atmosphäre, guten Leuten und viel gutem Sound. Musikmässig hat mich der Typ ziemlich begeistert: www.youtube.com/mouna974 Schaut’s euch mal an, ich habe seinen Freunden versprochen, dass ich für ihn ein bisschen Europa-Promotion mache ;-)) Nach der langen und gut gefeierten Nacht am Festival habe ich dann am Boden neben dem Auto gepennt. Dies vor allem, weil das Auto mit unzähligen Rucksäcken anderer Erasmus-Studenten und drei heimatlosen Engländerinnen (und –aussen) gefüllt war. Man ist ja zuvorkommend als Gentelman der alten Schule.

Gut, ich denke dass sollte den Informationsdurst etwas stillen. Und sonst nachfragen, die Kommentarfunktion darf man benutzen, tut echt nicht weh!

Wünsche euch allen viel Liebe und Sonnenschein. ;-)

Kubi

Freitag, 18. September 2009

Avis aux touristes

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich hoffe dass in der Heimat alle mit Wohlbefinden gesegnet sind und sich eitler Glückseligkeit erfreuen ;-) Ja mir geht es immer noch gut, wenn wundert’s wenn man im Palmengarten sitzt und aufs Meer rausguckt… Gesundheitlich bin ich auch (noch) auf dem Damm, obwohl meine Mitbewohnerin wahrscheinlich die Schweinegrippe hat. Das heisst man weiss es eigentlich nicht so genau, der Arzt hat keinen Test gemacht. Aber das geht ja anscheinend auch vorbei. Ich bin hier oft ungewohnt schnell müde und brauche viel Schlaf, das mag wohl am warmen Klima oder an der anstrengenden französischen Sprache liegen, sollte aber nicht gesundheitsgefährdend sein ;-) Ansonsten bin ich mich immer noch zwischen und Uni und Strand am hin- und herbewegen, und zwischendurch (erstaunlich selten) geht’s mal in den Ausgang. Da ich unter den Erasmus-Leuten einer der wenigen bin, der sich bereits ein Auto beschaffen konnte, bin ich meistens zum fahren verdonnert. Macht zwar nicht so Spass, schont aber dafür Geldbeutel und Gesundheit.

Nun ich wollte eigentlich im heutigen Bericht mal ein paar allgemeine Dinge zu La Réunion sagen. Da sich ja der eine oder andere überlegt mich hier besuchen zu kommen soll man ja auch einigermassen vorbereitet sein, gell! Also, zuerst muss ich mal die Illusionen zerstören die einige meiner Fotos eventuell erschaffen haben: La Réunion ist KEIN tropisches Paradies mit weissen Stränden, grünen Palmen und immer eitel Sonnenschein. Es ist viel mehr ein grüne Insel mit Meer drumherum und Vulkan obendrauf die teilweise launischem Wetter ausgesetzt sein kann. Gerade Saint Denis ist sehr französisch, es gibt hier weisse Häuser, Strassenkaffees, breite Boulevards und teilweise unglaublich viel Verkehr. Die Insel ist von einer faszinierenden landschaftlichen und klimatischen Diversität gezeichnet, und genau das ist eigentlich auch das sehenswerte daran.

Wenn man also einen Besuch in La Réunion erwägt, sollte man also mobil bleiben. Das heisst ich für meinen Teil würde mal empfehlen ein Auto zu mieten. Man darf aber auch meines benützen, wenn es dann noch fährt. Es gibt auch ein Inselumspannendes Busnetz, das ist aber für einen ferienmässigen Besuch leider zu wenig effizient. Wenn man einst mit Mobilität gesegnet ist, gibt es einiges zu tun. Strände befinden sich vor allem im Westen und Süden der Insel, dabei reicht die Varietät vom weissen bis zum Schwarzen Sand, von keine Wellen bis sehr starker Strömung und von dicht gedrängt bis sehr einsam. Allen Stränden gemeinsam ist, dass sie eben halt nicht unbedingt die klassischen Traumstrände sind, sondern eher wild, mit Korallenteilen übersät und meist nicht sonderlich zum planschen geeignet. Dafür umso besser geeignet für einen faulen Tag in der Sonne oder für diverse Wassersportaktivitäten (Surfen, Tauchen, Segeln etc…).

Daneben sollte man unbedingt auch ein bisschen die Bergwelt erkunden, was sich meist zu Fuss abspielt. In den Bergen gibt es wiederum sehr viele Aktivitäten, zum Beispiel Canyonig, Rafting oder Wildwasserkanu. Und dann wäre noch der Vulkan den es wohl auch zu entdecken gibt, ich war bislang jedoch noch nicht dort.

Preismässig ist La Réunion eher auf der teuren Seite angesiedelt. Bei Lebensmitteln geht’s grad wenn man weiss was wo zu kaufen ist. Mietautos sind ziemlich günstig, dafür Übernachtungen und andere Touri-Aktivitäten eher nicht so.

Es sollte aber schon möglich sein, bei mir zu pennen, obwohl ich mich noch nicht entschieden habe, wo ich ab November wohnen werde. Momentan tendiere ich zu Strandnähe ;-) Zeitlich bin ich wahrscheinlich von Ende Dezember bis Ende Januar auf dem Festland, ich plane einen weiteren Besuch in good old South Africa und eine kleine Reise in Madagascar während meiner Semesterferien. Klimatisch gesehen ist der hiesige Sommer (Dez. bis Feb.) nicht unbedingt die ideale Reisezeit. So wie mir erklärt wurde kann es in einem Ausmass heiss werden, dass ein Mittag am Strand zur Qual werden kann. Zudem regnet es öfters, gemäss meinen Informanten beschränkt sich der Regen aber meist auf die Abendstunden. Einzig wenn ein Hurrikan in der Nähe ist kann es vorkommen, dass es mehrere Tage hintereinander durchregnet. Sollte also im grossen und ganzen nicht so schlimm sein.


Ach ja, kulturell ist in La Réunion auch einiges los. Es gibt oft Konzerte und kleinere Feste. Einzig die Haupstadt Saint Denis ist zu meinem Leidwesen ziemlich verschlafen, die wenigen Bars schliessen meist kurz nach Mitternacht. Dafür ist im Westen und Süden einiges mehr los, was Partys und Nachtlubs angeht.

So, ich schliesse diese kleine Erzählung nun auch schon wieder. Ich hoffe es hat keiner einen negativen Eindruck erhalten, das wäre falsch. La Réunion ist sicherlich eine Reise wert, aber man sollte ja doch wissen worauf man sich einlässt. Für Fragen und Anregungen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung. Und ansonsten melde ich mich dann bald mal wieder mit Berichten vom Erlebtem.

Alles Gute

Kubi

Donnerstag, 10. September 2009

Une guele de bois





Sehr geehrte Damen und Herren, nun sitz ich hier und schreibe also wieder. Hingegen hoffe ich, dass sich niemand allzu sehr an den quasi wöchentlichen Schreibrythmus gewöhnen wird, denn ich befürchte dass sich Schreiblust und spannende Erlebnisse umgekehrt proportional zur Länge der Aufenthaltsdauer verhalten.
Noch ist es aber lange nicht so weit und solange wird auch weiter geschrieben. Inzwischen sind es also nun zwei Wochen in La Réunion und wie erwähnt hat sich das Leben noch lange nicht normalisiert. Erstmal prägend war, wie im vorhergehenden Eintrag bereits angedeutet, die Komplexität der Universität. Nebst der Bürokratie ist es auch ziemlich schwierig sich hier Informationen über vitale Dinge wie Ort, Zeit und Inhalt der Vorlesungen zu verschaffen. Zwar sind die Leute freundlich und bemüht, aber auch für Sie scheint Information kein allgemein verfügbares Gut zu sein. Lustiger Nebeneffekt der Freundlichkeit sind übrigens ausgesprochen lange Wartezeiten, und zwar quasi überall. So war ich neulich auf der Post (Wartezeit ca. 30 min.), dafür war die Dame am Schalter wirklich supi, hat mir diverse Sachen empfohlen und erklärt und noch ein bisschen über die Schweiz gequatscht, was mir dann aber schon fast peinlich war bei den gefühlten 500 Wartenden hinter meinem Rücken. Aber ich glaube Geduld lernt man hier schnell. Ich hab inzwischen auch die ersten paar Vorlesungen besucht. Ist ganz spannend muss ich sagen, vor allem „Histoire de l’Océan Indien“. Allerdings sind die Klassen in den Masterkursen hier ziemlich klein (und zahlreich), was ich als Nachteil sehe, denn dann merken alle immer wenn ich fehle. Egal, sie werden sich daran gewöhnen müssen, denn….tätää…ich habe mir inzwischen zwecks Erhöhung der Mobilität ein Auto beschafft. Ein wahres Bijou en fait, Mitsubishi Colt, Jahrgang 1990 mit stolzen 205000 km auf dem Tacho. Hat dafür meinen Geldbeutel nicht all zu sehr belastet und fährt noch ausgezeichnet (abgesehen von einigen kleinen, unbedeutenden fehlenden oder defekten Teilen wie zum Beispiel der hintere Scheibenwischer, der seine Runden lieber unterhalb der Scheibe dreht ;-) Leider hat der Fahrzeugkauf auch neue bürokratische Hürden mit sich gebracht. Versicherung (Wartezeit: 45 Min, 3 Formulare ausgefüllt) und Fahrzeugausweis (noch zu erledigen, vorhergesagt werden ebenfalls ca. 3 Formulare).
Ja und mit der neuen Mobilität war ich in letzter Zeit ziemlich unterwegs. Vor allem am Strand halt, bin sogar schon braun (also zuerst rot) geworden. Mit einem Freund war ich sogar mal zum Fischen am Meer. Habe mir fest vorgenommen das öfters zu machen, ist echt ein „Sport“ der mir zusagt. Man ist draussen und muss sich trotzdem nicht zu sehr bewegen. A propos, ich habe mich auch für den Uni-Sport angemeldet (Wartezeit: 20min.; auszufüllende Formulare: 2). Keine Angst, ich werde nicht zum Triatlethen. Aber ich werde segeln lernen und darauf freue mich enorm. Geht zwar erst Ende Oktober los, aber ich bin jetz schon ganz kribbelig.
Ich bin inzwischen wie angekündigt in die WG eingezogen, das ist eine tiptope Sache. Wir sind hier 4 Erasmus-Leute (ein Deutscher, eine Deutsche, eine Schwedin und der Kubi us dr Schwiiz) zusammen mit zwei Franzosen. Das Haus entspricht zwar nicht ganz unseren Standards, ist aber saugemütlich mit einer grossen Terasse wo jeden Abend der Feierabend-Rum eingenommen wird und einem Balkon mit Meersicht. Lässt sich also trotz nicht unbedeutender bautechnischer (die Toilette ist oben offen) und hygienischer (na ja Lockerheit und Sauberkeit sind halt Gegensätze) Mängel ganz gut aushalten hier.
Gestern sind wir dann das erste Mal richtig in Saint Denis Party machen gegangen. Mit seeeehr vielen anderen Erasmus-Studenten. Die haben sich auch alle Mühe gegeben die jeweils existierenden Klischees zu erfüllen, man denke an eine Horde Engländerinnen ;-) Was aber sonst ganz lustig, obwohl die Bierpreise im spätabends besuchten Nachtclub dann doch die angeheiterte Stimmung massiv bremsten (8 Euro, und dann erst noch Heineken). Für eine „geule de bois“ (Holzfresse = Kater) hat es aber heute dann doch gut gerreicht, immerhin konnte ich ihn am Strand ausschlafen gehen.
Dann gehe ich jetz doch lieber wieder schlafen. Ich danke für die ungeteilte Aufmerksamkeit und verbleibe mit den besten Wünschen bis zum nächsten Mal.

Dienstag, 1. September 2009

Demain il fera beau!


Wie dem geneigten Leser nicht entgangen sein dürfte ist es nun präzise eine Woche her seit ich meinen Kopf das erste Mal in den réunionesischen Wind gehalten habe. Höchste Zeit also, das Erlebte therapeutisch, also schriftlich zu verarbeiten.
Interessant war schon der Flug hierher, ganze 45 Minuten, aber dafür das erste Mal in einer Turboprop-Maschine (ATR 72-500 für diejenigen, die sich auskennen). Kurz nach der Ankunft wurde mir dann doch schlagartig bewusst, dass besagte 45 Minuten mich in eine komplett andere Welt gebracht haben. La Réunion gehört zu Europa, was wir ja inzwischen alle wissen. Dass es aber hier tatsächlich auch so europäisch zu und her geht, hat selbst mich ein wenig überrascht. Gibt es doch hier funktionierende öffentliche Toiletten, vierspurige Autobahnen die nicht von Eselkarren belagert werden und ein institutionalisiertes öffentliches Busnetz. Wow.
Auf dem Weg von der Bushaltestelle zur Pension lief mir aber dann auch schon der erste Penner laut fluchend hinterher, was mich dann doch wieder afrikanischer denken liess. Obwohl’s die Typen in Paris ja auch gibt. Die Pension heisst voll ausgeschrieben Pension des Sables und ist mein zu Hause noch bis Samstag, dazu aber später. Die Pension ist aber vor allem supidupi cool, denn sie liegt im Stadtzentrum und man lernt hier jeden Abend neue interessante Leute kennen, mit denen man ebenso viel quatschen wie einheimischen Rum vernichten kann.



Heute Abend sass ich zum Beispiel mit Cloé auf dem Balkon und habe mich (notabene auf Französisch) über die Welt im Allgemeinen und über französische Gepflogenheiten im speziellen unterhalten. Und ich habe neue Sprichwörter gelernt, was ich ausserordentlich befriedigend finde. Eines kürt nun den Titel dieses Blog, das andere ist mein Favorit und heisst: „il faut pas chercher midi a 14 heures“. Ganz cool. Cloé ist Französin, also vom Festland, was hier „métro“ genannt wird. In der Pension gibt es eigentlich nur „métros“, was ganz lustig ist, denn wieso sollte man sich als Einwohner einer alten Kolonialmacht, die clevererweise die schönsten Kolonien auch heute noch mit haufenweise Schotter unterstützt, diesen Vorteil nicht zu Nutzen machen? Die meisten „métros“ hier sind übrigens Staatsangestellte, denn anscheinend kann man sich als französischer Staatsangestellter „se faire muter“, sprich also sich versetzen lassen. Und die coolen Typen entscheiden sich eben dann für La Réunion als Destination. Wie man denken kann, sind diese Leute auch so ein bisschen hippig drauf und rauchen extrem viel Cannabis, das macht Sie aber trotzdem sympathisch.
Interessanterweis läuft die französische Bürokratie hier trotz kiffender Staatsangestellter auf Hochtouren. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie viele Formulare ich schon auszufüllen hatte, die verlangen sogar für ein einfaches Studenten-Busabo geschätzte 178 Formulare und Dokumente. Der Wahnsinn, dafür hat halt jeder securité sociale und kann für die Reduktion der Wohnungsmiete auch noch „kav“ beantragen.
Nebst der administrativen Schwerstarbeit gibt’s aber auch schönes zu erzählen. Ich habe hier schon mit einigen anderen Erasmus-Studenten (wie immer viele Deutsche, aber auch eine Schwedin und eine Welsche) Freundschaft geschlossen. So fest sogar, dass wir die letzten 4 Tage ein Auto gemietet haben und damit ein bisschen die Insel entdeckt haben. Und zu entdecken gibt es einiges. Insbesondere die Natur ist fantastisch, es gibt sehr hohe Berge und Vulkane im inneren der Insel wo man schöne Wanderungen machen kann und unglaublich faszinierende Aussichten geniessen kann. Und wenn ich schon mal wandern gehe und es dazu noch gut finde will dass schon echt was heissen!
Dann waren wir noch in Saint Pierre, eine Stadt weiter südlich auf der Insel. Da Saint Denis (die Haupstadt) eher ein ruhiges bis gar kein Nachtleben hat (liegt anscheinend an den vielen Muslimen in der Innenstadt die nach dem beten ihre Ruhe haben wollen) gehen eben viele Leute zum feiern anderswo hin, eben zum Beispiel nach Saint Pierre. Wir auch, und wir haben gefeiert, soviel sei verraten.
Inzwischen ist übrigens auch die Uni losgegangen, weswegen ich ja eigentlich hier bin. Die Uni ist super, Blick aufs Meer, günstiges Essen, schöne Frauen. Ihr seht, das alles animiert mich nicht gerade zum studieren, so habe ich bislang noch keine einzige Vorlesung besucht (habe es mir aber für die nächsten Tage fest vorgenommen…) Hinzu kommt eben dass die hier schon happige Vorlesungszeiten haben und einem immer wieder bürokratische Hürden in den Weg gelegt werden, aber das wird dann schon klappen. Schliesslich ist ja morgen auch noch schönes Wetter in La Réunion (das wär eben das Sprichwort im Titel und gleichzeitig auch ein bisschen Lebenseinstellung).
Und dann habe ich noch ein Platz in einer WG gefunden, allerdings nur für die nächsten zwei Monate. Das ist schon ganz gut so, denn die WG ist etwas ausserhalb (muss mir noch einen fahrbaren Untersatz organisieren) und wird nebst anderen Erasmus-Studenten von zwei Franzosen des open beschriebenen Typs „kiffender Staatsangestellter“ bewohnt. Dementsprechend chaotisch ist dann halt auch Haushalt und Umgebung. Dafür sind die Typen echt locker und man kann vom Haus aus natürlich das Meer sehen.
Das war also der zweitlängste Blogeintrag aller Zeiten. Wer rausfindet, welchen Teil ich unter Rum-Einfluss geschrieben habe und bei welchem ich nüchtern war, dem zahle ich ein Glacé.
Haltet die Ohren steif und bis bald!
Kubi

Dienstag, 25. August 2009

Un ´ti affaire






Mauritius, l’île Maurice, war also meine Destination zum „angewöhnen“ an dieses grosse Abenteuer im indischen Ozean. „War“ weil ich inzwischen schon in La Réunion angekommen bin, die Zeilen entstanden jedoch am zweitletzten Abend in Mauritius.
Mauritius ist spannend, wenn man nicht im Hotelresort bleibt. Und Mauritius ist pervers, aber dazu später. Ich bin am 18.08.2009 mit einiger Verspätung am Flughafen mit dem unaussprechlichen Namen Sir Seewosagur Raangoolam International angekommen. Noch länger als die Verspätung dauerten aber die unsäglich primitiven Formalitäten, die am Flughafen zu erledigen waren. Danke H1N1 Virus (Haben sie Schnupfen?).
Von der Schweiz aus wurde mir ja (mit oder ohne mein zutun) eine Unterkunft bei den Eltern einer Bekannten organisiert. Für mich ein bisschen ein beklemmendes Gefühl, denn wie ich aus meiner Südafrika-Erfahrung weiss, sind sprachliche und kulturelle Barrieren nicht zu unterschätzen, und die Frage ob diese Probleme das richtige sind für einen 6-tägigen Kurzaufenthalt erfüllte mich einigermassen mit Sorge. Umso erleichtert ob der Verspätung dachte ich mir, dass der arrangierte Abholservice wohl kaum mehr da sein würde und ich gemütlich ins Hostel fahren könnte. Aber neeeiiin, die haben tatsächlich so lange ausgeharrt.
Also Fahrt mit übersetzter Geschwindigkeit durch zu enge Strassen in einen noch engeren Vorort von Mahébourg (wer nicht weiss wo’s ist soll’s googlen). Das Haus der Familie war, verglichen mit dem Umfeld aber überraschend angenehm und mir wurde die ganze leere Wohnung im oberen Stock des Hauses zum wohnen und Cousin Brian zum aufpassen zugewiesen.



Und nun die erste Perversion. Mauritius, Trauminsel mit Traumstränden, dank einmaliger kolonialer Vorgeschichte perfekt multilingual? Ha, denkste! In der staubigen Vorortstrasse drängt sich Haus an Haus, Mindestabstand geschätzte 30cm, soviel zum Thema Raumplanung. Aber immerhin Häuser, mit Mauern, wenn auch oft unfertig. Und die Vielsprachigkeit scheint ein Generationenproblem zu sein. Denn von Französischkenntnissen war bei den zugegeben schon ältern Haubesitzern nur gerade ein Hauch auszumachen, kreolisch ist vielmehr ihr Ding. Wenigstens verstand ich Cousin Brian etwa zur Hälfte (bis zum Ende des Aufenthalts immerhin schon zu dreiviertel). Und dies obwohl in Mauritius alles in Englisch angeschrieben ist und das Fernsehen Programme in etwa vier Sprachen ausstrahlt (Französisch, Englisch, Kreolisch und Hindi). Apropos Hindi, die indische Dominanz der Insel ist ebenfalls zwar nicht pervers, aber immerhin komisch. Klar, wir sind im indischen Ozean. Aber geographisch doch eher in Afrika. Doch Politik, Wirtschaft und Bevölkerungsanteil, alles von Indern dominiert. Auch im Fernsehen kommt extrem viel Bollywood, so viel, dass ich es schon fast geil zu finden begann (jedenfalls besser als der Französische-Chanson-Scheiss den unser Nachbar jeden Morgen jeweils volle Pulle gespielt hat). Ist aber ein sehr interessanter Mix und scheint nicht mal schlecht zu funktionieren.


Da ich der Familie für den Aufenthalt etwas bezahlte und sie wohl selten ausländische Gäste haben wurde ich ein bisschen wie ein Hotelgast behandelt. Was mir zwar recht war, aber irgendwie zu komischen Auswüchsen führte. Vor allem wenn ich zum Frühstück ein reichhaltiges Tablet mit allem drum und dran serviert kriegte, und der Rest der Familie an trockenem Brot kaute.
Cousin Brain entpuppte sich jedoch als wertvoller und sympathischer Touristen-Guide, der mich insbesondere davor bewahrte, schamlos abgezockt zu werden, was in Mauritius anscheinend gerne gemacht wird. Dabei sind die eigentlichen Preise so tief, dass ein 20er-Nötli pro Tag lockerstens zum fressen, saufen und rauchen reicht.
Bereits am ersten Tag gabs aber dann haufenweise positive Eindrücke. Mauritius ist tatsächlich traumhaft schön. Das Gefühl dann tatsächlich an einem dieser schneeweissen Strände vor türkisblauem Meer zu stehen war schon überwältigend. In den folgenden Tagen habe ich dann mit Brian einige Exkursionen unternommen. Zuerst mit dem Bus, deren Fahrer verkannte Formel 1 Piloten sind, der aber immerhin günstig und zuverlässig ist. Später haben wir dann ein Auto gemietet. Notabene dank Brian nicht von Avis oder Europcar, sondern vom günstigeren und unkomplizierteren Nachbarn. Erst noch ein gepimpter Renault Megane RT mit Soundsystem. In den zwei Tagen haben wir die Insel quasi umrundet und es gibt wirklich allerlei Fantastisches zu sehen. Nebst den Stränden auch noch das attraktive Inland mit wunderschönen Wäldern, Wasserfällen und …ääähm… Menschen. Allerdings waren dann auch meine Nerven am Ende, denn fahren in Mauritius ist echt nicht einfach. Die zu enge Strasse teilen sich eine beträchtliche Anzahl von Bussen, Autos, Mopeds. Velos und Fussgängern. Angehalten und gequatscht wird auch direkt auf der Strasse.
Nebst dem Glücksgefühl aufgrund der geographischen Schönheit ging’s dann auch mit der Familie besser, dies dank Gott Alkohol. Verstanden haben wir uns zwar trotzdem weiterhin kaum, aber da jeden Abend zu Hause gebechert wurde (was eben un ´ti affaire gennant wird) entstand eine Art trunkseeliger Eintracht. Schön.
Es war auf alle ein grosses Erlebnis, dass ich dann doch nicht gegen die Hotelanlage hätte eintauschen wollen. Aber beenden wir nun diesen wohl längsten Blog-Eintrag aller Zeiten und freuen uns (also ich mich) auf genauso spannende Erlebnisse aus La Réunion.
Herzallerliebste Grüsse
Kubi

Where it all started …

…weiss ich eigentlich nicht. Ich glaub ich war schon immer so, dass ich Chancen, die sich anerboten haben, gerne ergriffen habe. Nicht nur beim essen ;-) sondern auch schon als ich als Austauschschüler in Südafrika war. Und so war es halt auch jetzt. Das Erasmus-Programm hat mich eigentlich seit Studienbeginn interessiert und ich habe immer die Möglichkeit eines solchen Jahres in Betracht gezogen. Und als ich studienmässig dann so weit fortgeschritten war, gab es eigentlich nur die eine Destination für mich: französisch-sprechend musste es sein, und interessant. Und was gibt es da besseres als eine „Region in äusserster Randlage der EU“, sprich die Insel La Réunion.
Gesagt getan und bald rückte nach meinem sensationellen Bachelor-Abschluss der Abflug-Termin näher und näher, was ich zeitweise als sehr surreal empfunden habe. Dank Anwendung der klassischen Verdrängungstatik gings aber einigermassen mit Abschiedsschmerz, obwohl ich mir wohl noch selten einer Sache so unsicher war wie dieser. Die Idee in (meiner Ansicht nach) einer der Besten Zeiten überhaupt alle Freunde, Freundinnen und geschätzte Familienmitglieder für ein Jahr zurückzulassen ist an und für sich saudoof. Aber anscheinend war halt der Erlebnisdrang doch stärker. So bleibt halt nur zu sagen, dass ich äusserst dankbar bin für die saucoolen Abschiedsfeten in Fribourg und Lohn und ich extrem stolz bin auf meine „Homies“ und euch alle wahnsinnig gern habe und nie vergesse, komme was wolle!
Nach dieser letzten Sentimentalität (jaja *hach*) schaun wir nun nach vorne und ich hoffe euch an dieser Stelle doch einige spannende studien-, frauen-, und alkoholtechnisch spannende Neuigkeiten präsentieren zu dürfen!
A bientôt