Montag, 19. Oktober 2009

974, c’est ici que je vie!


Helas meine Damen und Herren,
Ich hoffe es geht euch immer noch gut im schönen Schweizerland, trotz dem eklatanten Temperatursturz denn ihr anscheinend erleiden musste. Ich suhle mich immer noch bei wohligen knapp 30 Grad, aber nicht dass ich jetzt damit angeben möchte. Das Wetter (nein, ich habe nachher tatsächlich auch noch über spannenderes zu berichten) ist hier echt lustig. So kann es durchaus vorkommen, dass es in Saint-Denis warm und sonnig ist, 30 km der Küste hinunter eine apokalyptische Sintflut (ich spreche von 10cm Wasser auf der Strasse innerhalb von knapp 20 Minuten Regen) herrscht und weitere 15 km später wieder die Sonne scheint. Muss ein Paradies für Geographen sein, Mikroklimas everywhere!

Seit dem letzten Bericht hat sich glücklicherweise einiges getan. Nicht nur das die Haare an meinem Arm langsam blond werden, nein auch wirklich zukunftsweisendes! So habe ich nach langem Überlegen und rumsuchen nun eine einigermassen Studentengerechte Methode gefunden, wie ich meine Semesterferien in Südafrika verbringen kann. Dazu musste ich auch nur einen Flug verschieben, drei Flüge und zwei Schiffspassagen buchen. Ich mag aber abenteuerliches Reisen und so werde ich vom 17. Dezember bis am 18. Januar auf dem Festland im Kreise von Freunden weilen. Jupii!

Um nochmals aufs Wetter zurückzukommen (jetzt nicht gähnen) es gibt einen Ort an der Westküste namens Saint Gilles, wo eigentlich immer die Sonne scheint. Obwohl dort oft nachmittags schwarze Wolken den Berg hinunterkommen, erreichen die nie diesen wunderschönen Ort mit grosszügigem Strand. Und die Sonne scheint auch Abends im Herzen der Menschen beim Besuch der zahlreichen Bars und Clubs. Lange Einleitung kurzer Sinn, in diesen Ort werde ich am 15. November umziehen. Höchstwahrscheinlich, denn sicher ist ja bekanntlicherweise nichts, und schon gar nicht in la Réunion. Aber ich bin guter Dinge (und habe eine mündliche Zusage) bald eine kleine WG mit vielen Deutschen in unmittelbarer Strandnähe bewohnen zu können, und die Wohnung dann ab Januar mit einer netten Zürcherin zusammen zu übernehmen.

Jo daneben gibt es eigentlich nicht’s mehr weltbewegendes zu erzählen. Die üblichen Parties halt, einmal grosser Pokerabend bei uns zu Hause (und ich war gar nicht mal soo schlecht) und einmal Strandparty (aufwachen mit sandigen Haaren inbegriffen). Passt mir jetzt nicht so, dass die Seite noch nicht voll sind, deswegen noch zwei vielleicht interessante Alltagsepisoden: Die erste ist übers einkaufen, ich habe schon erwähnt dass La Réunion nicht gerade ein Paradies für Dagobert Duck’s Nachkommen ist. Dabei fehlt es an nichts, die Supermärkte sind riesig und die Regale meist prall gefüllt, ausser wenn ein Versorgungsschiff Verspätung hat. Jedoch kann eben das Einkaufen schon deprimierend werden. Insbesondere wenn man seinen Mitbewohner mit einer Aargauer Rüeblitorte überraschen will. Rüebli sind günstig, Zucker sowieso. Aber in eine bodenständige Rüeblitorte gehören halt gemahlene Mandeln, 250 Gramm wie Betty Bossi zu wissen scheint. Gemahlene Mandeln hängen im Supermarkt gleich neben den Geburtstagskerzen, und kosten stolze 6 Franken das Päckli. Dummerweise nur 125 Gramm im Päckli, also mussten zwei her. Das ergibt also vom Kilopreis her etwa Schweizerisches Rindsfilet (was ich denn Mandeln auch vorziehen würde, dummerweise ist solches hier noch teurer).
Die zweite ist über den verbreitenden Alkoholismus im Strassenverkehr. Nicht während dem Autofahren, da wurde es noch nie bedrohlich. Aber die Fussgänger, die können teuflisch sein. So kann es am heiterhellen Tag vorkommen, dass sich ein älterer Herr entscheidet, mitten auf der Strasse sein Mittagsschläfchen abzuhalten. Der war dann auch durch penetrantes Hupen nicht mehr aufzuwecken, also blieb nur noch der Weg übers Trottoir… 30% Arbeitslosigkeit und 49%iger, spottbilliger Rum ergeben halt 79% Betrunkene!
Nun gut, zuletzt bleibt noch die Erklärung des Titels. Der hat mit Lokalpatriotismus zu tun. 97 ist die Departementsnummer von La Réunion und 97400 die Postleitzahl von Saint Denis. Und in Frankreich scheint das ein Zeichen von Zugehörigkeit zu sein. 974 findet sich also auf zahlreichen T-Shirts, Autos und in lokalen HipHop Songs. Yeah Yeah.
Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu viel Belangloses gebrabbelt habe und verbleibe mit den freundlichsten Grüssen und besten Wünschen bis zum nächsten Mal.
Kubi

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