Montag, 18. Januar 2010

Von Eruptionen und anderen Ferienbeschäftigungen


Bonjour a tous,
Einmal mehr ist es höchste Zeit für ein News-Bulletin aus dem tropischen Paradies. Das Wetter ist immer noch schön und (etwas zu) warm, es sind immer noch Ferien. Und von da her ist das Leben immer noch rosig, ausser dass ich es weiterhin noch nicht fertig gebracht habe, per Angel einen *%&*+-Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Gut für die Fische, schlecht für meinen Magen. Nebst Fischen und Strand ist aber nicht viel los. In Saint-Gilles gibt es noch eine andere WG mit Erasmus-Studenten vorwiegend deutscher Herkunft. Die hängen dann entweder bei uns rum oder wir machen zwischendurch ein bisschen Party zusammen.
Obwohl in der eigenen WG auch schon genug los ist, hat doch unsere ganz persönliche Touri-Saison begonnen. Nachdem Ninas Eltern die Insel besucht haben sind jetzt zwei Ihrer Freundinnen aus Fribourg bei uns zu Gast. Danach freue ich mich auf etwas mehr als drei Wochen Besuch aus der Schweiz. Der grosse Vorteil: Wir sind jetzt mehr als ausreichend mit Schweizer Schoggi versorgt. Und da Ninas Vater offensichtlich ein Genussmensch ist, steht auch eine Flasche Glenfiddich (12 Jahre alter Whisky) auf dem Schrank. Der ist fast noch besser als Schoggi.
Das grosse Ferienereignis bislang war aber sicherlich der Ausbruch des lokalen Vulkans, des Piton de la Fournaise. Obwohl er als einer der aktivsten Vulkane der Welt gilt, ist eine Eruption natürlich immer ein Ereignis. Ausnahmsweise fand dieses mal der Ausbruch im Inneren des Kraters statt, wogegen bei den Ausbrüchen davor jeweils Lava an der Aussenseite des Vulkans Richtung Meer floss, was natürlich etwas spektakulärer ist.

Aber man nimmt was man kriegen kann, und so sind wir direkt am ersten Tag nach der Wiederöffnung des Wanderwegs zum Krater losgelatscht. Dieser Weg ist nicht ganz ohne, und die Wanderung „aller-retour“ braucht notabene gute 5 Stunden. Neben der Tatsache, dass wir komplett nachts gewandert sind kam erschwerend noch heftiger und dauerhafter Regen dazu. Aber es hat sich gelohnt, die Lava-Fontänen und die Ströme die man sehen kann sind insbesondere nachts ein einmaliges Spektakel. So schön, dass ich eine Woche später die Wanderung wiederholt habe. Immerhin war dann der Hinweg bei Tageslicht und Regen gabs auch keinen mehr.
A propos wandern, morgen beginnt das grosse Projekt der Ferien: Mafate. Das ist einer der drei „Cirques“ (= Talkessel?) auf La Réunion die sich aus der Erosion des erloschenen zweiten Vulkans, des Piton des Neiges geformt haben. Mafate besitzt als einziger der drei die Eigenschaft, dass er nicht per Strasse erschlossen ist. Man muss also hinwandern oder den Helikopter nehmen (Zweiteres ist angenehmer aber leicht teurer). Geplant ist, Mafate während drei Tagen zu erkunden, Erlebnisse folgen im nächsten Eintrag.
Wie man ja mitgekriegt hat, teile ich nebst der Wohnung nun auch mein Auto zwischendurch mit meiner Mitbewohnerin. Das ist erstens eine Gewöhnungssache und führt zweitens dazu, dass ich zwischendurch tatsächlich auch mal den Bus hier benutze. Das ist gar nicht mal so schlecht, denn die „Car Jaune“ sind gar nicht mal so schlecht. Und man erlebt einiges, nebst besoffenen und laut singenden Mitfahrern kann es auch sein, dass einem Jung-Gangster an der Weiterfahrt hindern, nur weil sie wütend sind darüber, dass der Bus schon voll sind.

Und wenn man nichts erlebt hat man Zeit zum Zeitung lesen. Die lokalen Zeitung repräsentieren hervorragend „ladilafé“ (Tratsch), der sowieso einer der Nationalsportarten der Insel darstellt. So findet man dann auf 40 Seiten den reunionesischen Inlandsteil (verglichen mit 5 Seiten Frankreich und 2 Seiten Ausland), vollgestopft mit unglaublich wichtigen Meldungen aus der Nachbarschaft. So zum Beispiel die juristischen Probleme zweier benachbarter Apotheken oder Madame Favre, die den besten „Gateau Créol“ der Insel macht. Daneben natürlich auch Berichte über leider sehr zahlreiche, Alkohol-bedingte Unfälle und Verbrechen. Interessanterweise finden sich aber auch bei diesen Meldungen fast immer der vollständige Name und der ungefähre Wohnort von Täter und Opfer.
Das wärs also wieder vom Reunionesischen Alltag. Ich geh mal Wandermaterial kaufen und wünsche eine gute Zeit und viel Freude mit dem Schnee.
Liebe Grüsse
Kubi

Montag, 4. Januar 2010

2010, il faut que ca glisse!

So meine lieben Freunde, ich hoffe ihr seid alle gut im 2010 angekommen, gut rüber- und nicht ausgerutscht. Ich wünsche natürlich von meiner Seite aus noch alles Gute im neuen Jahr und viel Glück, Gesundheit und Liebe für das neue Jahrzehnt.
Ich für meinen Teil habe 2010, wie es sich gehört, ordentlich feiernd gestartet. Am benachbarten Strand, der sich über geschätzte 10 Kilometer einer Lagune entlang zieht, ist hier jeweils halb La Réunion zugegen um das neue Jahr einzuläuten. Da durfte ich natürlich auch nicht fehlen und ich muss zugeben, das Fest war wahrlich berauschend. Gefeiert wurde teils im Wasser und teils am Strand und bis in die frühen Morgenstunden. Anders als bei uns waren aber auch bei Sonnenaufgang eigentlich noch gleich viele Menschen am feiern wie am Anfang des Abends, inklusive vieler Familien mit Kindern. Ich habe mir dann zum Abschluss der Nacht dekadent-feierlich noch eine Portion Austern gegönnt und bin dann friedlich gegen 9 Uhr eingeschlummert.

Die Feriensaison ist nun in vollem Gange hier. Das merkt man deutlich an meinem Wohnort Saint-Gilles, der einer der wohl beliebtesten Touri-Orte auf der Insel ist. Inzwischen ist das Städtchen schon etwas überlaufen, die Strände platschvoll und das hohe Verkehrsaufkommen nervt. Dafür sind die Touristen aber (alles Franzosen übrigens) sehr coole Leute zum abends einen trinken zu gehen. Und die Touristinnen haben natürlich unübersehbar auch ihre Reize, vor allem wenn Sie meist gross- und freizügig am Strand unterwegs sind.
Die perfekten Voraussetzungen also für meine Ferien hier. Ich finde es dann auch ein Zeichen von grosser Lebensqualität, wenn die einzigen Entscheidungen, die ich fällen muss, die Auswahl des zu besuchenden Strandabschnittes betreffen.
Auch sonst geht’s tiptop. Mit meiner Mitbewohnerin läuft es besser, sie kann nebst dem Talent zur Dekoration auch noch gut kochen und ist immer wieder für eine kleine Party zu haben. Da ein grosser Teil der Erasmus-Gruppe die Insel inzwischen verlassen hat, sind die grossen Feten zwar weniger geworden. Wie man sich aber vorstellen kann ist das aber weder für meinen Körper noch für meinen Geldbeutel eine schlechte Sache.

Dafür habe ich inzwischen einige Anstalten getroffen, um die Insel noch etwas besser kennen zu lernen. Letzten Sonntag bin ich beispielsweise erstmals zum Vulkan hochgefahren. Abfahrt war um 5 Uhr morgens, und das einem Sonntag! Das Ding ist, dass sämtliche Reise-und Wanderführer empfehlen, Besuche im inneren der Insel jeweils sehr früh anzugehen. Das liegt daran, dass gegen Mittag meist Wolken aufziehen und die Sicht über die Insel und auf die diversen Vulkan-Variationen dann getrübt ist. So waren wir also pünktlich um 7 Uhr vor Ort, nur um zu entdecken, dass Reiseführer auch nicht das gelbe vom Ei sind. Denn der Vulkan war ordentlich in Wolken gehüllt. Und es war kalt. So kalt, wie ich es wohl seit mehreren Monaten nicht mehr erlebt habe. Eigentlich ganz angenehm. Nun, immerhin hat sich die Wolkendecke dann doch noch etwas gelöst und wir haben die Wanderung zum Vulkan in den Angriff genommen, ohne den Krater zu besuchen allerdings. Das hat sich als grober Fehler herausgestellt, denn als wir wieder zurück waren herrschte plötzlich blauer Himmel und freie Sicht. So schnell kann’s gehen.

Wie ein nicht allzu schlechter Freund, der das Gefühl hat, etwas von Journalismus zu verstehen, bemerkt hat, werden meine Blogs kürzer und allenfalls oberflächlicher. Macht nichts, denke ich mir. Schliesslich geht seit „20 Minuten“ Quantität vor Qualität. Und wenn es mal wieder etwas Längeres zu berichten gibt, würde ich es natürlich tun!
In diesem Sinne wünsche ich eine gute Zeit und bis zum nächsten Mal, sagt der Märchenonkel!
Kubi