Sonntag, 28. Februar 2010

Vazaha sur la grande ile

Hellou und Servus,
Nun sitze ich also zu Hause auf gepackten Koffern und freue mich auf meine kleine Madagaskar-Reise, denn morgen geht’s tatsächlich schon. Etwas surreal kommt mir das momentan gerade vor, denn mit der Madagaskar-Reise nimmt auch mein La Réunion Aufenthalt ein jähes Ende. Obwohl ich ja im April noch mal drei Wochen hier verbringen werde ist das dann doch irgendwie nicht mehr das gleiche. Ich habe sogar schon überlegt, ob ich hier Bilanz ziehen soll von meinem Aufenthalt, möchte mir das dann aber doch lieber für später aufsparen.
Nun, seit meine Mutter wieder nach Hause gereist ist, habe ich vor allem Zeit mit der Planung der Madagaskar Reise verbracht. Nicht das ich etwas reserviert hätte (gereist wird immer schön der Nase nach), aber ich habe sehr viel über dieses faszinierend-bizarre Land gelesen und mich von ein paar Deutschen Madagaskar-Rückkehren einige Infos geholt. Eingekauft und organisiert musste dann auch noch das eine oder andere werden, lange Kleider und ein Moskitonetz (beides zum Mückenschutz) hatte ich schliesslich bisher kaum nötig gehabt. Dazu kommt ein halber Koffer voller Medikamente (gegen alles was man denn haben könnte, die Gesundheitsversorgung in Mada ist besch***en), ordentlicher Regenschutz für Rucksack und mich (es herrscht Regenzeit) und ein paar Dutzend Zahnbürsten (da freuen sich anscheinend die Kleinen dort drüber). Ihr seht, ich habe an (hoffentlich alles) gedacht. Nebst den Lebensstandard-bedingten Schwierigkeiten kommen ja bekanntlicherweise noch politische Probleme dazu. Der derzeitige „Präsident“ hat sich legal an die Macht geputscht (?) und kann gemäss malgassischer Verfassung gar nicht Präsi sein, deswegen nennt er sich Chef der Übergangsverwaltung und müsste eigentlich bald Neuwahlen abhalten, was er nicht tut, usw… Ich habe deshalb schön brav die Schweizer Botschaft über meinen Aufenthalt informiert und zitiere gerne aus der Antwort:
„Sehr geehrter Herr Kubalek,
besten Dank für Ihre Meldung. Die politische Situation in Madagaskar ist weiterhin gespannt und die Zukunft unklar. Es ist aber ohne weiteres möglich, durch die Insel zu reisen. Seien Sie immer vorsichtig in den öffentlichen Verkehrsmittel, vermeiden Sie reisen in der Nacht und gehen Sie zurück in Ihre Herberge beim Eindunkeln.
Falls Sie eine madagassische Handynummer beschaffen, bitte ich Sie um Bekanntgabe der Nummer. Wir informieren die Schweizerkolonie auf der Insel regelmässig via sms wenn es Sicherheitsprobeme gibt.“

Also: alles klar und kein Problem ;-)
Nun, auf alle Fälle freue ich mich riesig auf den Trip, es könnte eines der grossen Abenteuer in meinem Leben werden. Von dem was ich gehört habe ist man als Vazaha (Malgassisch für: Fremder) in Madagaskar teilweise doch eine recht ungewohnte Erscheinung, vor allem wenn man wie ich versucht, möglichst günstig zu reisen. Das wird wohl positive wie auch negative Seiten haben, ich freue mich zum Beispiel nicht unbedingt darauf, für so gut wie alles zuerst Preisverhandlungen führen zu müssen, damit man nicht den erhöhten Vazaha-Preis zahlt. Mal schauen wie gut mein Verhandlungsgeschick ausgebildet ist.
Ansonsten ist nicht mehr viel passiert in letzter Zeit. Ich war natürlich noch regelmässig in den Bars und Clubs unterwegs und musste realisieren, dass man nach gewisser Zeit als einigermassen trinkfreudiger Deutschweizer hier bekannt ist wie ein bunter Hund. Gute Sache, denn inzwischen gibt es so immer wieder den einen oder anderen Gratis-Drink. Fischen war ich auch noch mal, aber ehrlich gesagt mag ich nicht mehr über die anhaltenden Misserfolge schreiben. Ich mag sowieso lieber Fleisch.
Und mit diesen Worten mache ich mich also auf und davon. Gutes Internet ist in Mada selten. Ich werde dennoch versuchen zwischendurch mal etwas zu schreiben, falls es nicht klappt gibt es dafür dann im April einen ausführlichen Bericht.
Alles Gute und bis bald.
Kubi

Freitag, 19. Februar 2010

Tranquille le matin, pas trop vite l'après-midi

Hochgeachtete Leser,
Vorab einmal mehr herzlichste Grüße aus der Sonne, denn ja, es ist immer noch sauheiss hier und wie man so hört immernoch saukalt bei euch. Trotz Hitze läuft interessanterweise neben mir gerade der Fernseher, wo auf „Antenne Reunion“ live der Olympische Wettbewerb im Biathlon ausgetragen wird. Ironisch aber trotzdem interessant, und ich freue mich natürlich wie ein kleines Kind über jeden Schweizer Erfolg.

Inzwischen ist nun meine Zeit als Touristenführer erfolgreich zu Ende gegangen und ich werde bald wieder selber einen solchen brauchen. Nach dem Besuch meiner Freunde Anfang Monat hat nun auch meine Mutter 12 Tage mit mir auf der Insel verbracht. Die beiden Besuche haben auch mir die Gelegenheit gegeben nicht nur meine hervorragenden Qualitäten als Guide darzubieten, sondern auch noch das eine oder andere zu entdecken. So war ich zum Beispiel mit meinen Freunden auf einem Fluss im Osten der Insel beim River Rafting, was überaus amüsant war. Begleitet von einem sympathischen, überchilligen und weltverbesserischen Franzosen gings in kleinen 2er Rafts die Stromschnellen hinab, notabene teilweise auch ohne Boot (nicht das wir gekentert wären, das durchqueren einer Stromschnelle auf dem Allerwertesten gehörte zum Rahmenprogramm). Auch mit meiner Mutter habe ich das eine oder andere unternommen. Zwar nicht gerade Extremsportarten, aber wir waren doch auch in allen Ecken der Insel und haben eine coole Wanderung in den Bergen unternommen. Zudem waren die Übernachtungen in schönen Hotels mit Swimming Pool und gutem Frühstück eine willkommene Abwechslung und noch ein letztes bisschen Luxus.
Denn wie bereits angekündet geht’s am 1.März auf nach Madagaskar und so wie ich informiert bin wird das alles andere als ein Luxustrip. Immerhin rangiert „Mada“ gerade mal auf Platz 146 des HDI, ist also bitterarm. Der Transport wird sich vor allem in kleinen und vollgestopften Sammeltaxis, alten Zügen und Piroggen vollziehen. Ich freue mich aber sehr auf dieses grosse Abenteuer, und immerhin ist es nicht schlecht, nach dem „Europa des indischen Ozeans“ auch noch das „Afrika des indischen Ozeans“ zu entdecken. Und Mada soll, so sagt man mir, auch ein wunderschönes, vielseitiges, und riesengrosses (ungefähr Frankreich plus BeNeLux) Land sein. Ich werde auf alle Fälle versuchen, zwischendurch an dieser Stelle ein bisschen zu berichten. Das könnte aufgrund fehlender Internet-Möglichkeiten zwar etwas schwierig werden, aber einen Versuch ist es wert.

Den kurzen Rest meiner Zeit werde ich nun vor allem mit organisatorischen Sachen verbringen müssen. Insbesondere muss ich mich von meinem zuverlässigen, alten Mitshubishi trennen und einen würdigen Käufer für die Karre finden (dooferweise hat nun auch noch der rechte Fensterheber seinen Dienst aufgegeben, was sich aber hoffentlich mittels noch zu organisierendem Ersatzteil beheben lassen wird).
Und natürlich dürfte es noch die eine oder andere Party geben, denn so ein vorläufiger Abschied muss doch gefeiert werden. Einen kurzen Vorgeschmack darauf gab es bereits gestern schon. Aus Anlass des Abschieds einer Kollegin wurde nochmal tüchtig gebechert. Interessanterweise waren auch drei lustige Franzosen dabei, die kräftig mitgemacht haben. Die drei entpuppten sich dann als Flugzeugmechaniker von Air Austral, dooferweise die Fluggesellschaft die mich nach Madagaskar bringen wird. Ich hoffe nur, dass die Jungs nicht vor meinem Flug so tüchtig feiern gehen.
Ich werde mich auf alle Fälle nochmals vor dem Abflug hier melden und wünsche euch bis dahin eine hervorragende Zeit.
Liebste Grüße
Kubi

Montag, 1. Februar 2010

Abréviations et Prolongations


Geneigte Leser, Werte Schweizer, Liebe Frauen und Männer,
In der Befürchtung dieses rechtsbürgerliche Begrüssungsritual in der Schweiz immer öfter hören zu müssen und nichts dagegen machen zu können, halte ich es auf der kleinen und friedlichen Insel im indischen Ozean fast nicht mehr aus. Nach der Minarettinitiative kommt nun die Ausschaffungsinitiative und weitere Abstrusitäten wie die Vorstösse zur Beschränkung der Deutschen und Französischen Einwanderer. Da entsteht doch für mich der Eindruck, dass die abgeschottete aber weltoffene Insel La Réunion doch besser mit der Schweiz die geographischen Plätze tauschen sollte. Hier im indischen Ozean könnte die SVP und ihre Gefolgschaft gemütlich Zuckerrohr anbauen, ohne dass Sie dabei gross gestört werden würde (einzig ein paar Minarette müsste man vorher zerstören).
Von diesen Sorgen getrieben drängt es mich zurück in die Schweiz, um gegen die fortführende Antiquisierung (?) der Schweiz ins Feld zu ziehen. Ich werde also meine Studien nicht fortführen, sondern stattdessen einen Monat lang revolutionären Unterricht im Putsch-Erprobten Madagaskar zu geniessen. Nach der Rückkehr zur Schweiz wird dann die „Bewegung für eine moderne Schweiz“ gegründet, welche die politische Landschaft der Schweiz aufrütteln wird.
Gut, etwas ernsthafter: Tatsächlich haben sich meine Pläne hier etwas geändert und ich habe mich aus diversen Gründen (finanzielle, studientechnische und moralische) dazu entschieden, dass 2. Semester hier nicht mehr weiterzustudieren. Stattdessen werde ich nach einer ausgedehnten Madagaskarreise am 23. April um 13.40 Ortszeit meine Füsse wieder auf Schweizer Boden setzen und dann dort mit Vollgas Studium und Kontoaufbesserung weiter zu betreiben. Der Gram über die politische Situation in der Schweiz ist aber natürlich nicht erfunden. Die Gründung eines politischen Gegengewichts fern von alten und festgefahrenen Parteimustern wäre doch eine gute Idee. Jemand Interesse?
Nebst der Ausreifung politischer Ideen habe ich natürlich seit dem letzten Eintrag auch sonst noch so einiges getrieben. Wie bereits angekündigt habe ich die 3 Tage dauernde Durchquerung des Cirque de Mafate vorgenommen. Begleitet von einer sehr sympathischen deutschen Mitstudentin und bepackt mit ca. 15 Kilogramm Material ging’s auf die rund 30 Kilometer und 3000 Meter Höhendifferenz umfassende Wanderung. Ich weiss, für Militärerprobte ist es Nasenwasser. Aber wer mich kennt, der weiss: ist schon mal nicht schlecht. Der Cirque ist darüber hinaus extremst beeindruckend. Wie gesagt gibt es keine Strassen und keine Autos, dafür steilabfallende Bergflanken, sympathische Weiler, beeindruckende Schluchten und wunderschöne Wasserfälle. Ein grosses Erlebnis also.

Inzwischen habe ich nun auch den ersten Besuch aus der Schweiz bekommen. Meine langjährigen Freunde Nik und Irène weilen zurzeit bei mir. Mit der vollzogenen Ferienverlängerung gefällt es mir richtig gut für die beiden ein bisschen den Reiseführer zu mimen. Ich glaube es gefällt Ihnen auch recht gut, jedenfalls zeigen sie sich beeindruckt von der drückenden Hitze, der Schärfe der Chilis, der Namensgebung des lokalen Biers und der Qualität des einheimischen Fisches. (Tämmi: vor allem 1A Thunfisch den wir in rauen Mengen verputzen. *höhö*). Danach folgt dann noch der Besuch meiner Mam und nach Madagaskar derjenige meines Bruders und seiner Freundin, worauf ich mich natürlich ausserordentlich freue.
Daneben werden natürlich noch die „normalen“ Aktivitäten fortgeführt: Strand, Fischen (wegen mangelndem Erfolg und somit mangelnder Motivation etwas auf Sparflamme) und Segeln. Beim letzten Segeltrip, alleine auf einer Nussschale im offenen Meer, habe ich es allerdings fertig gebracht, diejenige dreimal zu kentern. Ist zwar witzig aber auch anstrengend, und spricht nicht gerade für grosses Talent. Aber was soll’s.
Das wär’s dann doch mal wieder mit News von mir. Ich freue mich natürlich auf jegliche News von der Heimat und mit etwas veränderter Bedeutung sage ich: Bis Bald!
Kubi