Dienstag, 29. September 2009

C'est avec les vieilles casserolles qu'on fait les meilleures soupes!



Liebe Daheimgebliebene. Wie befürchtet geht’s nicht mehr ganz auf mit dem wöchentlichen Schreibrythmus, aber eigentlich bin ich ja immerhin noch einigermassen nah dran. Und nach dem eher technischen Eintrag von letztem Mal probiere ich mich jetz auch wieder etwas dem Erlebten zu widmen.

Also zuerst mal geht es mir immer noch ganz gut hier, die befürchteten grippemässigen Schweinereien sind nicht eingetreten und ich erfreue mich also noch guter Gesundheit. Zur Verbesserung derselbigen habe ich mir übrigens einige Resolutionen in den Kopf gesetzt, die teils auf gutem Wege sind und teils trotz willigem Geist am schwachen Fleische scheitern. Details zur Aktion Gesundheit werden aber erst bei sichtbaren Erfolgen veröffentlicht, also Geduld bitte.

Nun in der Zwischenzeit ist nicht mehr ganz alles so aufregend hier wie es einmal war, der Mensch (und ich im Besonderen) ist ja ein Gewohnheitstier und so hab ich mich jetzt doch auch an den hier üblichen Tagesablauf gewöhnt. Der besteht übrigens aus überraschend und enttäuschend vielen Vorlesungs-Besuchen. Ganze 19 Stunden in der Woche, und dann erst noch volle Stunden, nix hier mit akademischer Viertelstunde. In Fribourg bin ich wohl in einem Monat nicht so viel an die Uni gewesen. Aber es geht schon ganz gut, da ich hier zumindest vorläufig nicht arbeite bleibt dem armen Studi noch genügend Zeit um die Insel zu entdecken, lange zu schlafen und daneben noch den armen Leuten zu helfen, die lokalen Alkoholvorräte zu reduzieren. Lagerplätze sind schliesslich teuer. Ihr seht, also schon alles fast wie zu Hause. Ist übrigens tatsächlich so, dass sich die Insel mit der längeren Aufenthaltsdauer als immer wie europäischer entpuppt. Die Unterschiede sind wirklich nicht augenfällig gross, ausser natürlich Landschaft und Klima. Gut, man hat mir gesagt, dass an versteckten Orten im Innern der Insel der Lebensstil dann doch ein anderer sein würde, aber da war ich bislang noch nicht. Die Leute die ich kennenlernen durfte sind auch von der Mentalität her eher Europäer, das heisst für mich etwas reserviert (aber durchaus freundlich und hilfsbereit) und vor allem gut informiert und gebildet. Hat schon etwas faszinierendes, dass sich Frankreich 10'000 Kilometer entfernt quasi ein petite France erschaffen hat, dass dann auch noch so gut funktioniert. Das fasziniert mich sogar so sehr, dass ich an der Uni Kurse über die Region hier Besuche, zum Beispiel „politische Geschichte des indischen Ozeans“. Klar, ist ECTS und Karrieremässig für die Katz’, aber spannend allemal. Oder wer von euch hätte gewusst, dass sich die Insel Mayotte im Jahre 1974 als einzige der Inseln des komorischen Archipels für die weitere Zugehörigkeit zur französischen Verwaltung ausgesprochen hat. Spannend, ne?

Eben, dann haben wir an den Wochenende noch die eine oder andere Tour unternommen. Das Auto hat dabei schon sehr geholfen, meine lieben Erasmus-Freunde sind teilweise vier Stunden im Bus, was ich in einer Stunde mit dem Auto schaffe. Da freu’ ich mir doch ein zweites Loch in den Arsch (ja, ich hänge hier zum Teil mit Deutschen rum). Die Karre fährt auch immer noch gut, obwohl manchmal das Gaspedal auf halbem Weg klemmt und der Auspuff ein Loch hat. Und der Colt hat unheimlichen Benzindurst, säuft locker 10 Liter auf 100 Kilometer. Umweltschutz ist halt doch was für Reiche. Jedenfalls waren wir das noch mal richtig in den Bergen wandern. Das hat hier schon echt geile Panoramen. Man könnte meinen, man sei sich die Berge gewohnt, aber dann steht man doch wieder staunend davor. Dann haben wir das erste Mal am Strand übernachtet, was schon auch cool ist. Wie gesagt sind die Strände hier eher wild und unbebaut, was besonders nachts eine sehr spezielle Atmosphäre kreiert. Und dann war da noch das Manapany Surf Festival vergangenes Wochenende. Als grosses Festival mit Surf-Wettbewerben und drei Bühnen angekündigt war es dann doch eher ein grösseres Dorffest in einer Wohngegend in Strandnähe. Dafür aber mit super Atmosphäre, guten Leuten und viel gutem Sound. Musikmässig hat mich der Typ ziemlich begeistert: www.youtube.com/mouna974 Schaut’s euch mal an, ich habe seinen Freunden versprochen, dass ich für ihn ein bisschen Europa-Promotion mache ;-)) Nach der langen und gut gefeierten Nacht am Festival habe ich dann am Boden neben dem Auto gepennt. Dies vor allem, weil das Auto mit unzähligen Rucksäcken anderer Erasmus-Studenten und drei heimatlosen Engländerinnen (und –aussen) gefüllt war. Man ist ja zuvorkommend als Gentelman der alten Schule.

Gut, ich denke dass sollte den Informationsdurst etwas stillen. Und sonst nachfragen, die Kommentarfunktion darf man benutzen, tut echt nicht weh!

Wünsche euch allen viel Liebe und Sonnenschein. ;-)

Kubi

Freitag, 18. September 2009

Avis aux touristes

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich hoffe dass in der Heimat alle mit Wohlbefinden gesegnet sind und sich eitler Glückseligkeit erfreuen ;-) Ja mir geht es immer noch gut, wenn wundert’s wenn man im Palmengarten sitzt und aufs Meer rausguckt… Gesundheitlich bin ich auch (noch) auf dem Damm, obwohl meine Mitbewohnerin wahrscheinlich die Schweinegrippe hat. Das heisst man weiss es eigentlich nicht so genau, der Arzt hat keinen Test gemacht. Aber das geht ja anscheinend auch vorbei. Ich bin hier oft ungewohnt schnell müde und brauche viel Schlaf, das mag wohl am warmen Klima oder an der anstrengenden französischen Sprache liegen, sollte aber nicht gesundheitsgefährdend sein ;-) Ansonsten bin ich mich immer noch zwischen und Uni und Strand am hin- und herbewegen, und zwischendurch (erstaunlich selten) geht’s mal in den Ausgang. Da ich unter den Erasmus-Leuten einer der wenigen bin, der sich bereits ein Auto beschaffen konnte, bin ich meistens zum fahren verdonnert. Macht zwar nicht so Spass, schont aber dafür Geldbeutel und Gesundheit.

Nun ich wollte eigentlich im heutigen Bericht mal ein paar allgemeine Dinge zu La Réunion sagen. Da sich ja der eine oder andere überlegt mich hier besuchen zu kommen soll man ja auch einigermassen vorbereitet sein, gell! Also, zuerst muss ich mal die Illusionen zerstören die einige meiner Fotos eventuell erschaffen haben: La Réunion ist KEIN tropisches Paradies mit weissen Stränden, grünen Palmen und immer eitel Sonnenschein. Es ist viel mehr ein grüne Insel mit Meer drumherum und Vulkan obendrauf die teilweise launischem Wetter ausgesetzt sein kann. Gerade Saint Denis ist sehr französisch, es gibt hier weisse Häuser, Strassenkaffees, breite Boulevards und teilweise unglaublich viel Verkehr. Die Insel ist von einer faszinierenden landschaftlichen und klimatischen Diversität gezeichnet, und genau das ist eigentlich auch das sehenswerte daran.

Wenn man also einen Besuch in La Réunion erwägt, sollte man also mobil bleiben. Das heisst ich für meinen Teil würde mal empfehlen ein Auto zu mieten. Man darf aber auch meines benützen, wenn es dann noch fährt. Es gibt auch ein Inselumspannendes Busnetz, das ist aber für einen ferienmässigen Besuch leider zu wenig effizient. Wenn man einst mit Mobilität gesegnet ist, gibt es einiges zu tun. Strände befinden sich vor allem im Westen und Süden der Insel, dabei reicht die Varietät vom weissen bis zum Schwarzen Sand, von keine Wellen bis sehr starker Strömung und von dicht gedrängt bis sehr einsam. Allen Stränden gemeinsam ist, dass sie eben halt nicht unbedingt die klassischen Traumstrände sind, sondern eher wild, mit Korallenteilen übersät und meist nicht sonderlich zum planschen geeignet. Dafür umso besser geeignet für einen faulen Tag in der Sonne oder für diverse Wassersportaktivitäten (Surfen, Tauchen, Segeln etc…).

Daneben sollte man unbedingt auch ein bisschen die Bergwelt erkunden, was sich meist zu Fuss abspielt. In den Bergen gibt es wiederum sehr viele Aktivitäten, zum Beispiel Canyonig, Rafting oder Wildwasserkanu. Und dann wäre noch der Vulkan den es wohl auch zu entdecken gibt, ich war bislang jedoch noch nicht dort.

Preismässig ist La Réunion eher auf der teuren Seite angesiedelt. Bei Lebensmitteln geht’s grad wenn man weiss was wo zu kaufen ist. Mietautos sind ziemlich günstig, dafür Übernachtungen und andere Touri-Aktivitäten eher nicht so.

Es sollte aber schon möglich sein, bei mir zu pennen, obwohl ich mich noch nicht entschieden habe, wo ich ab November wohnen werde. Momentan tendiere ich zu Strandnähe ;-) Zeitlich bin ich wahrscheinlich von Ende Dezember bis Ende Januar auf dem Festland, ich plane einen weiteren Besuch in good old South Africa und eine kleine Reise in Madagascar während meiner Semesterferien. Klimatisch gesehen ist der hiesige Sommer (Dez. bis Feb.) nicht unbedingt die ideale Reisezeit. So wie mir erklärt wurde kann es in einem Ausmass heiss werden, dass ein Mittag am Strand zur Qual werden kann. Zudem regnet es öfters, gemäss meinen Informanten beschränkt sich der Regen aber meist auf die Abendstunden. Einzig wenn ein Hurrikan in der Nähe ist kann es vorkommen, dass es mehrere Tage hintereinander durchregnet. Sollte also im grossen und ganzen nicht so schlimm sein.


Ach ja, kulturell ist in La Réunion auch einiges los. Es gibt oft Konzerte und kleinere Feste. Einzig die Haupstadt Saint Denis ist zu meinem Leidwesen ziemlich verschlafen, die wenigen Bars schliessen meist kurz nach Mitternacht. Dafür ist im Westen und Süden einiges mehr los, was Partys und Nachtlubs angeht.

So, ich schliesse diese kleine Erzählung nun auch schon wieder. Ich hoffe es hat keiner einen negativen Eindruck erhalten, das wäre falsch. La Réunion ist sicherlich eine Reise wert, aber man sollte ja doch wissen worauf man sich einlässt. Für Fragen und Anregungen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung. Und ansonsten melde ich mich dann bald mal wieder mit Berichten vom Erlebtem.

Alles Gute

Kubi

Donnerstag, 10. September 2009

Une guele de bois





Sehr geehrte Damen und Herren, nun sitz ich hier und schreibe also wieder. Hingegen hoffe ich, dass sich niemand allzu sehr an den quasi wöchentlichen Schreibrythmus gewöhnen wird, denn ich befürchte dass sich Schreiblust und spannende Erlebnisse umgekehrt proportional zur Länge der Aufenthaltsdauer verhalten.
Noch ist es aber lange nicht so weit und solange wird auch weiter geschrieben. Inzwischen sind es also nun zwei Wochen in La Réunion und wie erwähnt hat sich das Leben noch lange nicht normalisiert. Erstmal prägend war, wie im vorhergehenden Eintrag bereits angedeutet, die Komplexität der Universität. Nebst der Bürokratie ist es auch ziemlich schwierig sich hier Informationen über vitale Dinge wie Ort, Zeit und Inhalt der Vorlesungen zu verschaffen. Zwar sind die Leute freundlich und bemüht, aber auch für Sie scheint Information kein allgemein verfügbares Gut zu sein. Lustiger Nebeneffekt der Freundlichkeit sind übrigens ausgesprochen lange Wartezeiten, und zwar quasi überall. So war ich neulich auf der Post (Wartezeit ca. 30 min.), dafür war die Dame am Schalter wirklich supi, hat mir diverse Sachen empfohlen und erklärt und noch ein bisschen über die Schweiz gequatscht, was mir dann aber schon fast peinlich war bei den gefühlten 500 Wartenden hinter meinem Rücken. Aber ich glaube Geduld lernt man hier schnell. Ich hab inzwischen auch die ersten paar Vorlesungen besucht. Ist ganz spannend muss ich sagen, vor allem „Histoire de l’Océan Indien“. Allerdings sind die Klassen in den Masterkursen hier ziemlich klein (und zahlreich), was ich als Nachteil sehe, denn dann merken alle immer wenn ich fehle. Egal, sie werden sich daran gewöhnen müssen, denn….tätää…ich habe mir inzwischen zwecks Erhöhung der Mobilität ein Auto beschafft. Ein wahres Bijou en fait, Mitsubishi Colt, Jahrgang 1990 mit stolzen 205000 km auf dem Tacho. Hat dafür meinen Geldbeutel nicht all zu sehr belastet und fährt noch ausgezeichnet (abgesehen von einigen kleinen, unbedeutenden fehlenden oder defekten Teilen wie zum Beispiel der hintere Scheibenwischer, der seine Runden lieber unterhalb der Scheibe dreht ;-) Leider hat der Fahrzeugkauf auch neue bürokratische Hürden mit sich gebracht. Versicherung (Wartezeit: 45 Min, 3 Formulare ausgefüllt) und Fahrzeugausweis (noch zu erledigen, vorhergesagt werden ebenfalls ca. 3 Formulare).
Ja und mit der neuen Mobilität war ich in letzter Zeit ziemlich unterwegs. Vor allem am Strand halt, bin sogar schon braun (also zuerst rot) geworden. Mit einem Freund war ich sogar mal zum Fischen am Meer. Habe mir fest vorgenommen das öfters zu machen, ist echt ein „Sport“ der mir zusagt. Man ist draussen und muss sich trotzdem nicht zu sehr bewegen. A propos, ich habe mich auch für den Uni-Sport angemeldet (Wartezeit: 20min.; auszufüllende Formulare: 2). Keine Angst, ich werde nicht zum Triatlethen. Aber ich werde segeln lernen und darauf freue mich enorm. Geht zwar erst Ende Oktober los, aber ich bin jetz schon ganz kribbelig.
Ich bin inzwischen wie angekündigt in die WG eingezogen, das ist eine tiptope Sache. Wir sind hier 4 Erasmus-Leute (ein Deutscher, eine Deutsche, eine Schwedin und der Kubi us dr Schwiiz) zusammen mit zwei Franzosen. Das Haus entspricht zwar nicht ganz unseren Standards, ist aber saugemütlich mit einer grossen Terasse wo jeden Abend der Feierabend-Rum eingenommen wird und einem Balkon mit Meersicht. Lässt sich also trotz nicht unbedeutender bautechnischer (die Toilette ist oben offen) und hygienischer (na ja Lockerheit und Sauberkeit sind halt Gegensätze) Mängel ganz gut aushalten hier.
Gestern sind wir dann das erste Mal richtig in Saint Denis Party machen gegangen. Mit seeeehr vielen anderen Erasmus-Studenten. Die haben sich auch alle Mühe gegeben die jeweils existierenden Klischees zu erfüllen, man denke an eine Horde Engländerinnen ;-) Was aber sonst ganz lustig, obwohl die Bierpreise im spätabends besuchten Nachtclub dann doch die angeheiterte Stimmung massiv bremsten (8 Euro, und dann erst noch Heineken). Für eine „geule de bois“ (Holzfresse = Kater) hat es aber heute dann doch gut gerreicht, immerhin konnte ich ihn am Strand ausschlafen gehen.
Dann gehe ich jetz doch lieber wieder schlafen. Ich danke für die ungeteilte Aufmerksamkeit und verbleibe mit den besten Wünschen bis zum nächsten Mal.

Dienstag, 1. September 2009

Demain il fera beau!


Wie dem geneigten Leser nicht entgangen sein dürfte ist es nun präzise eine Woche her seit ich meinen Kopf das erste Mal in den réunionesischen Wind gehalten habe. Höchste Zeit also, das Erlebte therapeutisch, also schriftlich zu verarbeiten.
Interessant war schon der Flug hierher, ganze 45 Minuten, aber dafür das erste Mal in einer Turboprop-Maschine (ATR 72-500 für diejenigen, die sich auskennen). Kurz nach der Ankunft wurde mir dann doch schlagartig bewusst, dass besagte 45 Minuten mich in eine komplett andere Welt gebracht haben. La Réunion gehört zu Europa, was wir ja inzwischen alle wissen. Dass es aber hier tatsächlich auch so europäisch zu und her geht, hat selbst mich ein wenig überrascht. Gibt es doch hier funktionierende öffentliche Toiletten, vierspurige Autobahnen die nicht von Eselkarren belagert werden und ein institutionalisiertes öffentliches Busnetz. Wow.
Auf dem Weg von der Bushaltestelle zur Pension lief mir aber dann auch schon der erste Penner laut fluchend hinterher, was mich dann doch wieder afrikanischer denken liess. Obwohl’s die Typen in Paris ja auch gibt. Die Pension heisst voll ausgeschrieben Pension des Sables und ist mein zu Hause noch bis Samstag, dazu aber später. Die Pension ist aber vor allem supidupi cool, denn sie liegt im Stadtzentrum und man lernt hier jeden Abend neue interessante Leute kennen, mit denen man ebenso viel quatschen wie einheimischen Rum vernichten kann.



Heute Abend sass ich zum Beispiel mit Cloé auf dem Balkon und habe mich (notabene auf Französisch) über die Welt im Allgemeinen und über französische Gepflogenheiten im speziellen unterhalten. Und ich habe neue Sprichwörter gelernt, was ich ausserordentlich befriedigend finde. Eines kürt nun den Titel dieses Blog, das andere ist mein Favorit und heisst: „il faut pas chercher midi a 14 heures“. Ganz cool. Cloé ist Französin, also vom Festland, was hier „métro“ genannt wird. In der Pension gibt es eigentlich nur „métros“, was ganz lustig ist, denn wieso sollte man sich als Einwohner einer alten Kolonialmacht, die clevererweise die schönsten Kolonien auch heute noch mit haufenweise Schotter unterstützt, diesen Vorteil nicht zu Nutzen machen? Die meisten „métros“ hier sind übrigens Staatsangestellte, denn anscheinend kann man sich als französischer Staatsangestellter „se faire muter“, sprich also sich versetzen lassen. Und die coolen Typen entscheiden sich eben dann für La Réunion als Destination. Wie man denken kann, sind diese Leute auch so ein bisschen hippig drauf und rauchen extrem viel Cannabis, das macht Sie aber trotzdem sympathisch.
Interessanterweis läuft die französische Bürokratie hier trotz kiffender Staatsangestellter auf Hochtouren. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie viele Formulare ich schon auszufüllen hatte, die verlangen sogar für ein einfaches Studenten-Busabo geschätzte 178 Formulare und Dokumente. Der Wahnsinn, dafür hat halt jeder securité sociale und kann für die Reduktion der Wohnungsmiete auch noch „kav“ beantragen.
Nebst der administrativen Schwerstarbeit gibt’s aber auch schönes zu erzählen. Ich habe hier schon mit einigen anderen Erasmus-Studenten (wie immer viele Deutsche, aber auch eine Schwedin und eine Welsche) Freundschaft geschlossen. So fest sogar, dass wir die letzten 4 Tage ein Auto gemietet haben und damit ein bisschen die Insel entdeckt haben. Und zu entdecken gibt es einiges. Insbesondere die Natur ist fantastisch, es gibt sehr hohe Berge und Vulkane im inneren der Insel wo man schöne Wanderungen machen kann und unglaublich faszinierende Aussichten geniessen kann. Und wenn ich schon mal wandern gehe und es dazu noch gut finde will dass schon echt was heissen!
Dann waren wir noch in Saint Pierre, eine Stadt weiter südlich auf der Insel. Da Saint Denis (die Haupstadt) eher ein ruhiges bis gar kein Nachtleben hat (liegt anscheinend an den vielen Muslimen in der Innenstadt die nach dem beten ihre Ruhe haben wollen) gehen eben viele Leute zum feiern anderswo hin, eben zum Beispiel nach Saint Pierre. Wir auch, und wir haben gefeiert, soviel sei verraten.
Inzwischen ist übrigens auch die Uni losgegangen, weswegen ich ja eigentlich hier bin. Die Uni ist super, Blick aufs Meer, günstiges Essen, schöne Frauen. Ihr seht, das alles animiert mich nicht gerade zum studieren, so habe ich bislang noch keine einzige Vorlesung besucht (habe es mir aber für die nächsten Tage fest vorgenommen…) Hinzu kommt eben dass die hier schon happige Vorlesungszeiten haben und einem immer wieder bürokratische Hürden in den Weg gelegt werden, aber das wird dann schon klappen. Schliesslich ist ja morgen auch noch schönes Wetter in La Réunion (das wär eben das Sprichwort im Titel und gleichzeitig auch ein bisschen Lebenseinstellung).
Und dann habe ich noch ein Platz in einer WG gefunden, allerdings nur für die nächsten zwei Monate. Das ist schon ganz gut so, denn die WG ist etwas ausserhalb (muss mir noch einen fahrbaren Untersatz organisieren) und wird nebst anderen Erasmus-Studenten von zwei Franzosen des open beschriebenen Typs „kiffender Staatsangestellter“ bewohnt. Dementsprechend chaotisch ist dann halt auch Haushalt und Umgebung. Dafür sind die Typen echt locker und man kann vom Haus aus natürlich das Meer sehen.
Das war also der zweitlängste Blogeintrag aller Zeiten. Wer rausfindet, welchen Teil ich unter Rum-Einfluss geschrieben habe und bei welchem ich nüchtern war, dem zahle ich ein Glacé.
Haltet die Ohren steif und bis bald!
Kubi