Sonntag, 22. November 2009

Dolce Vita

Liebi Fründe us Graubünde, und natürlich auch aus allen anderen Ecken der grossen blauen Kugel.
Ich freue mich und bin gleichzeitig Stolz meinen Jubiläums Blog-Eintrag präsentieren zu können. Ist immerhin schon der 10. wenn ich richtig gezählt habe. Lassen wir nun aber die Fanfaren verklingen und konzentrieren uns aufs Wesentliche: Es ist Sonntag, ich sitze mit einem kiltzekleinen Katerchen und einem ebenso dimensionierten Sonnenbrand oben ohne (ja, jetzt darf man ein lautes Pfeifen von sich geben) auf dem Balkon. Sand in allen Ritzen vom nachmittäglichen Strandausflug. Wenn ich die Augen links rüberdrehe sehe ich das türkisblaue Meer, den dunkelblauen Himmel und ganz viele Surfer, die dem momentan übertrieben massiven Wellengang nicht ganz gewachsen sind. Genau, ich bin umgezogen. Dolce vita, einfach herrlich.

Der neue Wohnort heisst Saint Gilles les Bains und ist laut Eigenwerbung „la premiere station balneaire de la Réunion“. Es ist tourisitisch hier, zugegebenermassen, aber verglichen mit den uns bekannten Touri-Kolossen am Mittelmeer sehr angenehm. Keine Hotelhochhäuser, dafür ein schön gemachter Hafen, viele kleine Läden und eine sympathische Ausgehmeile. Die Lebensqualität wird zusätzlich dadurch erhöht, dass alles schön zu Fuss erreichbar ist. Ihr seht, mir gefällt es ausserordentlich. So sehr, dass ich mir ernsthaft überlege, meine Südafrika-Reisepläne für Januar aufzugeben. Blöderweise habe ich schon einen Teil der Flüge gebucht und bin zurzeit in Unkenntnis über die Kosten einer Annullation. Gegebenenfalls würde mich auch ein Besuch der „umliegenden“ Inseln reizen, da wären zum Beispiel die Komoren, die Seychellen oder das zukünftige neue französische Departement Mayotte. Dummerweise haben alle dies Inseln ein lächerlich hohes Preisniveau, aber eine Büchse Ravioli könnte man ja auch mitnehmen… Diese Entwicklung befindet sich aber erst einmal im Gedanken-Stadium, ich werde aber selbstverständlich über die Pläne frühzeitig orientieren.
Ansonsten geht das Leben seinen gewohnten Lauf. Die Vorlesungen an der Uni sind beinahe beendet, es wird also in Bälde eine kurze aber intensive Lernphase folgen müssen.

Des Weiteren ist das Projekt Deutsch-Nachhilfe gut angelaufen. Ich habe bislang zwar nur eine Schülerin, die ist dafür supersüss und sehr gelehrig. Da Ihre Mutter mit mir zusammen studiert, habe ich auch noch einen guten Kontakt gefunden um dringendst benötigte Zusammenfassungen zu erlangen.
Ansonsten gibt es zugegebenermassen wenig Neuigkeiten, was ja auch nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen ist.
Vielleicht noch zum Abschluss ein paar Müsterchen aus der hiesigen Tierwelt, insbesondere der gefährlichen Viecher. Und davon gibt es viele, vor allem im Meer. La Réunion kennt anscheinend, verglichen mit der Grösse, eine sehr hohe Anzahl von Hai-Attacken. Insbesondere stellt dass für die Surfer ein Problem dar, so habe ich auch schon von einem Freund gehört, das er plötzlich von einem grossen Schatten verfolgt wurde. Des Weiteren gibt es auch viele bunte und schöne Fische, so wie man sie aus „Nemo“ kennt, darunter aber auch einige die durch blosses berühren heftige Anfälle auslösen können, der so genannte Steinfisch hat anscheinend diese Eigenschaft. Und auch auf dem Land muss man teilweise vorsichtig sein. So habe sass ich jüngst bei Freunden auf der Veranda, als plötzlich Hektik ausbrach. Es stellte sich dann heraus, dass die Jungs einen Hundertfüssler gesehen haben und mit grossem Tamtam dann umgebracht haben. Ich fand es Anfangs etwas übertrieben, bis ich dann erfahren habe dass die spezielle Art Hundertfüssler die es hier gibt das giftigste Landtier auf La Réunion ist. Gut zu wissen.

Das wärs dann auch schon wieder von meinen Erzählungen gewesen. Ich hoffe euch geht’s allen auch so gut wie mir, habt Sorg, bleibt fröhlich und lasst euch nicht vom Samichlaus erwischen.
Herzallerliebste Grüsse
Kubi

Dienstag, 10. November 2009

La vie c´est comme la mer est ses marées. Un jour on est à sec, l'autre on est à flot.

Hocherverehrte Damen und Herren,
Die Zeit rinnt mir durch die Hände, denn obwohl sich La Réunion selbst als „capital of relaxed lifestyle“ bezeichnet (so jedenfalls auf einem T-Shirt für Touristen gesehen), habe ich den Eindruck dass alles wahnsinnig schnell geht.
Das liegt zum einem sicher auch daran, dass sich meine universitären Aktivitäten jetzt zum Semesterabschluss hin merklich verstärkt haben. Und um den vermehrten Nachfragen mit aller Deutlichkeit zu widersprechen: Ja, ich gehe auch an die Uni. Ich schreibe zurzeit an einer Arbeit über die diplomatischen Beziehungen der Schweiz im 19. Jarhundert (notabene in der allseits geschätzten Sprache der Liebe) und werde im Dezember ungefähr 6 Examen ablegen müssen, davon zwei mündlich. Ich bin jedoch der festen Überzeugung dass sich diese Phase als relativ kurzfristige Anstrengung heraustellen wird und ich bald wieder an den schönen Stränden den schönen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts verstohlen hinterher gucken kann ;-)
Nebst den universitären bin ich auch mit ausseruniversitären Aktivitäten äusserst beschäftigt. Inzwischen haben die Segelkurse angefangen. Davon bin ich wahnsinnig begeistert und überlege bereits lebhaft, ob ich nicht meine Karre gegen ein viel ökonomischeres Segelboot eintauschen sollte. Das wäre wahrscheinlich ein bisschen vorschnell, der Kurs fand erst zweimal statt, aber immerhin war ich schon als „Capitaine“ mit meiner eigenen Crew auf den Weiten des Ozeans unterwegs! Daneben versuche ich auch noch mein Haushaltsbudget gegen den teuren, Réunionesischen Lebensstil zu schützen, indem ich Jugendlichen Franzosen versuchen werde, Deutsch beizubringen. Ich nehme mal an dass dies nicht ganz einfach wird, ohne jetzt die generelle Fremdsprachenfähigkeit der französischsprachigen Bevölkerung kirtisieren zu wollen.

Des Weiteren darf ich auch freudvoll mitteilen, dass der Umzug in die neue Wohnung nun definitiv klappen wird. Am Sonntag kam die sehr relaxte Vermieterin vorbei und ich bin nun also stolzer Mieter einer Wohnung mit Strand- und Meersicht. Noch mehr Freude macht natürlich, dass der französische Staat aller Voraussicht nach einen nicht unbedeutenden Teil der Miete übernehmen wird, 72 Euro und 33 Cent monatlich sind nach provisorischen Kalkulationen zu erwarten (selbstverständlich sind aber vorher noch mindest 3 Behördengänge zu erledigen). Da lobe ich mir doch das soziale Frankreich und komme mir auch fast gar nicht als Sozialbetrüger vor. Den Umzug an die paradiesische Lage werde ich dann nächstes Wochenende vornehmen.

Da bekanntlicherweise das Leben eine Achterbahn ist, gibt es auch noch negatives zu vermelden. Da wäre zuerst mal der erste Vorgeschmack eines tropischen Sturms der am Wochenende die Insel „heimgesucht“ hat. Dabei hat es ca. 36 Stunden so heftig durchgeregnet, dass Steine von den Bergen hinunterpurzelten und Hafenbecken fast überliefen. In einem Fall musste ein künstlicher Hafenausgang durch meinen Lieblingsstrand hindurch gebaggert werden, damit das Wasser ablief. Dadurch waren die Boote gerettet aber mein Strand ruiniert. Ich gehe aber stark davon aus, dass diese Unerträglichkeit bald wieder korrigiert wird.
Sehr unerfreulich verlief auch der Sonntag Abend, man hat mich nämlich meines Handys beraubt. Zugegebenermassen war ich an diesem Abend in einer Bar unterwegs mit dem schönen Namen „La Guele de Bois“ (vgl. Eintrag vom 10.09.09), Details des „Raubs“ bleiben mir und der Allgemeinheit deshalb verborgen. Aber ich weiss dass es gestohlen wurde, weil ich den Räuber am nächsten Tag am Telefon hatte. Der wollte aber nicht ganz auf mein Angebot, dass ich mein eigenes Handy zurückkaufen würde, eingehen, und so musste ich halt die Karte sperren und mir ein neues Handy poschten. Ärgerlich, weil viele Kontakte und schöne Bilder verloren gingen. Immerhin ist aber meine Réunion-Nummer noch die alte und ich habe selbstverständlich keine anderen Schäden von diesen Vorkommnissen davon getragen.
Ich hoffe ihr erfreut euch an den weissen Bergspitzen und den kuscheligen Winterjacken. Ich wünsche von Herzen alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüssen bis zum nächsten Mal.