Die Zeit rinnt mir durch die Hände, denn obwohl sich La Réunion selbst als „capital of relaxed lifestyle“ bezeichnet (so jedenfalls auf einem T-Shirt für Touristen gesehen), habe ich den Eindruck dass alles wahnsinnig schnell geht.
Das liegt zum einem sicher auch daran, dass sich meine universitären Aktivitäten jetzt zum Semesterabschluss hin merklich verstärkt haben. Und um den vermehrten Nachfragen mit aller Deutlichkeit zu widersprechen: Ja, ich gehe auch an die Uni. Ich schreibe zurzeit an einer Arbeit über die diplomatischen Beziehungen der Schweiz im 19. Jarhundert (notabene in der allseits geschätzten Sprache der Liebe) und werde im Dezember ungefähr 6 Examen ablegen müssen, davon zwei mündlich. Ich bin jedoch der festen Überzeugung dass sich diese Phase als relativ kurzfristige Anstrengung heraustellen wird und ich bald wieder an den schönen Stränden den schönen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts verstohlen hinterher gucken kann ;-)
Nebst den universitären bin ich auch mit ausseruniversitären Aktivitäten äusserst beschäftigt. Inzwischen haben die Segelkurse angefangen. Davon bin ich wahnsinnig begeistert und überlege bereits lebhaft, ob ich nicht meine Karre gegen ein viel ökonomischeres Segelboot eintauschen sollte. Das wäre wahrscheinlich ein bisschen vorschnell, der Kurs fand erst zweimal statt, aber immerhin war ich schon als „Capitaine“ mit meiner eigenen Crew auf den Weiten des Ozeans unterwegs! Daneben versuche ich auch noch mein Haushaltsbudget gegen den teuren, Réunionesischen Lebensstil zu schützen, indem ich Jugendlichen Franzosen versuchen werde, Deutsch beizubringen. Ich nehme mal an dass dies nicht ganz einfach wird, ohne jetzt die generelle Fremdsprachenfähigkeit der französischsprachigen Bevölkerung kirtisieren zu wollen.

Des Weiteren darf ich auch freudvoll mitteilen, dass der Umzug in die neue Wohnung nun definitiv klappen wird. Am Sonntag kam die sehr relaxte Vermieterin vorbei und ich bin nun also stolzer Mieter einer Wohnung mit Strand- und Meersicht. Noch mehr Freude macht natürlich, dass der französische Staat aller Voraussicht nach einen nicht unbedeutenden Teil der Miete übernehmen wird, 72 Euro und 33 Cent monatlich sind nach provisorischen Kalkulationen zu erwarten (selbstverständlich sind aber vorher noch mindest 3 Behördengänge zu erledigen). Da lobe ich mir doch das soziale Frankreich und komme mir auch fast gar nicht als Sozialbetrüger vor. Den Umzug an die paradiesische Lage werde ich dann nächstes Wochenende vornehmen.

Da bekanntlicherweise das Leben eine Achterbahn ist, gibt es auch noch negatives zu vermelden. Da wäre zuerst mal der erste Vorgeschmack eines tropischen Sturms der am Wochenende die Insel „heimgesucht“ hat. Dabei hat es ca. 36 Stunden so heftig durchgeregnet, dass Steine von den Bergen hinunterpurzelten und Hafenbecken fast überliefen. In einem Fall musste ein künstlicher Hafenausgang durch meinen Lieblingsstrand hindurch gebaggert werden, damit das Wasser ablief. Dadurch waren die Boote gerettet aber mein Strand ruiniert. Ich gehe aber stark davon aus, dass diese Unerträglichkeit bald wieder korrigiert wird.
Sehr unerfreulich verlief auch der Sonntag Abend, man hat mich nämlich meines Handys beraubt. Zugegebenermassen war ich an diesem Abend in einer Bar unterwegs mit dem schönen Namen „La Guele de Bois“ (vgl. Eintrag vom 10.09.09), Details des „Raubs“ bleiben mir und der Allgemeinheit deshalb verborgen. Aber ich weiss dass es gestohlen wurde, weil ich den Räuber am nächsten Tag am Telefon hatte. Der wollte aber nicht ganz auf mein Angebot, dass ich mein eigenes Handy zurückkaufen würde, eingehen, und so musste ich halt die Karte sperren und mir ein neues Handy poschten. Ärgerlich, weil viele Kontakte und schöne Bilder verloren gingen. Immerhin ist aber meine Réunion-Nummer noch die alte und ich habe selbstverständlich keine anderen Schäden von diesen Vorkommnissen davon getragen.
Ich hoffe ihr erfreut euch an den weissen Bergspitzen und den kuscheligen Winterjacken. Ich wünsche von Herzen alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüssen bis zum nächsten Mal.
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