Mittwoch, 23. Dezember 2009

Joyeux Noël!

Pünktlich wie ein gutschweizerisches Uhrwerk hier also der angekündigte Weihnachtsblog. Und auch wenn ich mich inzwischen nicht mehr als kompetenter Gesprächspartner betrachte wenn es ums Thema Stress geht, hab ich doch einiges zu tun momentan.
Immerhin habe ich zwei, drei Karten nach Hause geschickt (sind unterwegs, noch eine ganze Weile wahrscheinlich) und gross Weihnachtskäufe erledigt. Nicht für mich, aber für und mit der Mutter meiner Nachhilfeschülerin. Da die derzeit den Arm gebrochen hat (weiss nicht ob ich es schon erwähnt habe), habe ich mich bereit erklärt, mit ihr heute die Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und ich muss sagen, die Insel-Franzosen feiern Weihnachten gerne und exzessiv. So waren nicht nur die Supermärkte rammelvoll, sondern zum Ende der 5-stündigen Einkaufstour auch mein Auto. Das Weihnachtsfest ist also wirklich nicht gross unterschiedlich als in der Schweiz. Die Dekorationen und Auslagen in den Geschäften scheinen höchstens noch etwas übertriebener und natürlich gibt es die gut französischen Weihnachtsspezialitäten: Foie Gras (gestopfte Entenleber) und Bûche (Weihnachtskuchen in Baumstammform) ohne Ende.

Zudem gibt es bizarre Weihnachtserscheinungen, so zum Beispiel in Saint Denis letzten Sonntag. Dort gibt es tatsächlich einen kleinen Weihnachtsmarkt. Zwar ohne Glühwein und Lebkuchen, dafür aber mit Fisch-Curry und selbstgemachter Bananenkonfitüre. Und als Höhepunkt gab es dann eben letzten Sonntag eine kleine Parade, samt kleinen Zwergen und dem Sega (Lokalmusik) tanzenden Weihnachtsmann in Vollmontur auf seinem Schlitten. Und dass in der Gemütlichkeit der momentan herrschenden 30-33 Grad.

Naja, bei uns wird es beschaulicher zu und her gehen. Nachdem wie gesagt meine neue Mitbewohnerin Nina eingezogen ist (die schon fleissig und mit viel Talent die Wohnung umdekoriert hat) werden wir uns als Gastgeber eines Weihnachtsessen versuchen. Eingeladen sind ganze 15 Leute, ein bunter Mix aus Franzosen, Deutschen, Engländern und Schweizern (deutsch- und russischsprechend). Da ich das Chefkochzepter an mich gekrallt habe, wird das Menu gutschweizerisch ausfallen. Es gibt Filet im Teig mit Kartoffelgratin, Morchelsauce und Gemüse. Das Filet aber ohne gedörrte Pflaumen und die Morchelsauce ohne Morcheln, weil beides viel zu teuer. Dafür aber natürlich genügend Alkohol dazu.

Und da dieses grosse Dinner eben auch noch vorbereitet werden will, mache ich mich nun schleunigst vom Acker.
Ich möchte euch nun denn allen eine wunderschöne Weihnacht wünschen. Geniesst das Fest mit der Familie oder euren Nächsten und erfreut euch an der besinnlichen Stimmung. Und esst und trinkt nicht zu wenig!
Ich melde mich dann per Neujahrsblog wieder.
Joyeaux noël, merry christmas und frohe Weihnacht!
Kubi

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Belle de loin - loin d’être belle

Ein fröhliches Servus zusammen,
Ich hoffe es geht gut im kontinentalen Europa und dass die Bäuche noch nicht zu sehr angeschwollen sind aufgrund der Flut von Guetzli, Schoggi und anderen Süssigkeiten! Das kann einem durchaus auch im indischen Ozean passieren, denn inzwischen haben meine Mitbewohner und ich so viele „Päckli“ aus der Heimat gekriegt, dass wir mit dem Inhalt wahrscheinlich einem Ostafrikanischen Staat kurzfristig aus der Hungersnot helfen könnten. Aber man muss sich ja auch ein bisschen verwöhnen, ne.
Ja es tut mir natürlich leid ist der letzte Bericht schon wieder ein bisschen länger her. Immerhin habe ich eine exzellente Ausrede dafür, denn ja ich hatte nämlich Prüfungen. Als einiger der wenigen Erasmus-Studenten die nicht Geisteswissenschaften studieren habe ich nämlich auch echt ein bisschen was geleistet. So habe ich acht Prüfungen abgelegt, mündlich und schriftlich, und gefühlsmässig den Grossteil davon bestanden. Ich muss dabei aber zugeben, dass da auch ein gewisser „Erasmus-Bonus“, den einem die Professoren zuerkennen, im Spiel war. Anyway, jetzt sind Ferien und darauf habe ich mich schon sehr gefreut.
Und was für besser Konditionen für fünf Wochen Ferien als ständig eitel Sonnenschein und immer 30 Grad warm könnte es denn geben? Ich muss zwar zugeben, dass die Hitze langsam aber sicher zum Thema wird. Teilweise ist es tagsüber schon so warm dass einem etwas die Lust vergeht in der Mittagssonne am Strand rumzuhängen. Aber man kann immer noch in die schönen Berge zurückziehen oder sich in der klimatisierten Wohnung verschanzen, bis die Temperatur am späteren Nachmittag wieder angenehmer wird.
Momentan herrscht grosse Aufbruchs-Stimmung in der „Erasmus-Community“, die meisten sind unverständlicherweise nur für ein Semester auf die Insel gekommen und machen sich nun vom Acker. Natürlich nicht ohne auf dem Rückweg noch die eine oder andere umliegende Sehenswürdigkeit zu besuchen. Mauritius, Seychellen oder Madagaskar. Ich bleibe aber glücklicherweise nicht alleine zurück, einige Hartgesottene nehmen die Qual auf sich und bleiben ebenfalls noch ein paar Monate. So bin ich also von guten Freunden umgeben und freue mich schon auf das Weihnachtsessen auf dem Balkon und die Neujahrsfeier am Strand. Meine neue Mitbewohnerin aus dem exotischen Zürich zieht am Samstag dann auch hier ein, und so wird unsere kleine Schweizer-WG perfekt sein. Um uns selbst nicht zu sehr zu helvetisieren haben wir uns geschworen, französisch miteinander zu sprechen. Mal schauen wie dass dann klappen wird.
Die Aufregung nach dem Auto-Einbruch hat sich inzwischen auch wieder etwas gelegt. Die Versicherung bezahlt einen Grossteil der gestohlenen Gegenstände und die Türe wurde wie gesagt mit dem „organisierten Fenster“ wieder repariert. Inzwischen hat dooferweise der elektrische Fensterheber der anderen Türe seinen Dienst aufgegeben. Ist nicht schlimm, man braucht ja keine Fenster bei der Hitze hier ;-) Zum Glück lässt sich die Scheibe noch mittels manueller Gewalt öffnen und schliessen.
Ansonsten gibt es eigentlich nicht allzu viel Neues zu erzählen. Ich bin inzwischen stolzer Besitzer einer eigenen Angelrute und werde hart daran arbeiten, in den Ferien endlich mal einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Und da ich ja bekanntlicherweise in schwerster Weise Militärdienst-untauglich bin, werde ich mich eventuell als Kompensation dazu auf eine 7-tägige Tour durch hiesigen Berge begeben, notabene unmotorisiert. Aber sicher ist noch nichts.
Ich schliesse dann meinen kleinen Bericht mal wieder, bewusst ohne jetzt schon Weihnachtswünsche auszubringen. Das würde ich dann im nächsten Eintrag machen, ich hoffe ich schaffe das vor Weihnachten!
Heits guet und heit Sorg
Kubi

P.S. Stolen camera=no pictures. Next time maybe.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Des voleurs et des ignorants

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wie man hört fällt in der Schweiz bereits der erste Schnee während wir uns hier umgeben sehen von künstlichen Bäumen mit ebensolcher Beleuchtung. Weihnachtsstimmung nach unseren Massstäben kommt so garantiert nicht auf. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn immerhin herrscht hier weiterhin eitel Sonnenschein und zugegebenermassen bereits erdrückende Temperaturen.
Nach dem euphorischen Bericht letztes Mal wird dieser hier wohl eher eine negative Prägung erhalten, da es in den letzten Tagen leider einige „Absteller“ gab. Angefangen mit dem letzten Samstag, wo wir uns entschlossen haben den Geburtstag einer englischen Mitstudentin am schönen schwarzen Strand von Etang Salé zu feiern. Der Abend war dann auch wunderbar, mit gewohntem Barbecue am Strand, ein paar Drinks und ein paar Spielen. Das Aufwachen war dann leider etwas abrupt: Ein Spaziergänger weckte uns um 5:30 um mitzuteilen, dass in unsere beiden Autos, welche knapp 20 Meter von uns parkiert waren, eingebrochen wurde. Anscheinend hat in der Nacht irgendeine Gruppe jugendlicher Gangster ihr Unwesen getrieben, jedenfalls haben sie’s geschafft meine rechte Türe so zu verbiegen, dass sie ins innere der Karre gelangen konnten. Natürlich zersprang dabei die Fensterscheibe. Als Diebsgut haben Sie nebst dem (spottbilligen und halb-kaputten Autoradio) leider auch noch meine gut versteckten Wertgegenstände gefunden: Portemonnaie (natürlich mit sämtlichen Karten drin die man sich vorstellen kann), Kamera und Sonnenbrille. Sehr ärgerlich, aber immerhin zum Glück alles ersetzbar.

So habe ich mich dann am Montag direkt beim Autobastler des Vertrauens gemeldet (zwar ist das Auto versichert, aber der hohe Selbstbehalt hat mich von einer Meldung des Schadens abgehalten). Der hat sich die Türe angeschaut, und gefunden dass ich logischerweise ein neues Fenster als Ersatz brauchen würde. Das anschliessende Abklappern diverser Schrottplätze hat dann leider keinen Erfolg gebracht. Jedoch habe ich während dieser Tour, was man hier oft sieht, am Strassenrand einen anderen, verlassenen Mitsubishi Colt entdeckt und beschlossen, den als Ersatzteillager zu verwenden. So kam es dann, dass spätabends sich drei mit Werkzeug und Taschenlampe bewaffnete Jungs zum besagten Fahrzeug aufmachten, und sich in einer klammheimlichen und nicht ganz einfach durchzuführenden Aktion der rechten Vorderscheibe „bemächtigt“ haben. Da hat man sich gleich wieder wie fünfzehn gefühlt.
Sehr unerfreulich empfand ich selbstverständlich auch den Ausgang der Volksabstimmung vom Sonntag. Das Echo auf die Entscheidung den Bau von Minaretten in der Schweiz zu verbieten war bis in den indischen Ozean zu hören. Das lokale „Journal de l’Ile“ hat den Ereignissen sogar seinen Frontseitenkommentar gewidmet und selbstverständlich habt ihr ja auch mitgekriegt, dass sich sämtliche wichtigen ausländischen Medien (meist negativ) zur Schweiz geäussert haben. Ich weiss nicht genau was sich das Schweizer Stimmvolk dabei gedacht hat, aber dieser Entscheid wird in meinen Augen zur Katastrophe. Die Schweiz, die bereits nach der Finanzkrise einigen Imageschaden erlitten hat, verliert nun komplett ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Neutralität, Humanität, als Standort internationaler Organisationen und in ihrer Rolle als Vermittlerin. Zudem fragt man sich schon, was direkte Demokratie bringt, wenn damit mittels billiger Angstmache solche Entscheide herbeigeführt werden können. Das bereitet mir echt Bauchschmerzen.

Das Leben geht aber natürlich weiter und so habe ich auch noch ein paar tolle Sachen erlebt. Zum Beispiel war ich das erste Mal Gleitschirm fliegen. Ist zwar nicht saumässig aufregend (also so ein bisschen gekribbelt hat’s natürlich schon), dafür aber sehr schön die Insel ein bisschen aus der Vogelperspektive zu sehen. Und ich habe nun definitiv meine Reisepläne nach Südafrika aufgegeben und freue mich, die Sommerferien gemütlich zwischen Balkon und Strand verbringen zu können.
Sodeli, das war es dann auch schon wider mit Berichten und Eindrücken für den Moment. Bis zum nächsten Mal, haltet die Ohren steif und lasst euch nicht von extremistischen Moslems erwischen!
Kubi