Mittwoch, 2. Dezember 2009

Des voleurs et des ignorants

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wie man hört fällt in der Schweiz bereits der erste Schnee während wir uns hier umgeben sehen von künstlichen Bäumen mit ebensolcher Beleuchtung. Weihnachtsstimmung nach unseren Massstäben kommt so garantiert nicht auf. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn immerhin herrscht hier weiterhin eitel Sonnenschein und zugegebenermassen bereits erdrückende Temperaturen.
Nach dem euphorischen Bericht letztes Mal wird dieser hier wohl eher eine negative Prägung erhalten, da es in den letzten Tagen leider einige „Absteller“ gab. Angefangen mit dem letzten Samstag, wo wir uns entschlossen haben den Geburtstag einer englischen Mitstudentin am schönen schwarzen Strand von Etang Salé zu feiern. Der Abend war dann auch wunderbar, mit gewohntem Barbecue am Strand, ein paar Drinks und ein paar Spielen. Das Aufwachen war dann leider etwas abrupt: Ein Spaziergänger weckte uns um 5:30 um mitzuteilen, dass in unsere beiden Autos, welche knapp 20 Meter von uns parkiert waren, eingebrochen wurde. Anscheinend hat in der Nacht irgendeine Gruppe jugendlicher Gangster ihr Unwesen getrieben, jedenfalls haben sie’s geschafft meine rechte Türe so zu verbiegen, dass sie ins innere der Karre gelangen konnten. Natürlich zersprang dabei die Fensterscheibe. Als Diebsgut haben Sie nebst dem (spottbilligen und halb-kaputten Autoradio) leider auch noch meine gut versteckten Wertgegenstände gefunden: Portemonnaie (natürlich mit sämtlichen Karten drin die man sich vorstellen kann), Kamera und Sonnenbrille. Sehr ärgerlich, aber immerhin zum Glück alles ersetzbar.

So habe ich mich dann am Montag direkt beim Autobastler des Vertrauens gemeldet (zwar ist das Auto versichert, aber der hohe Selbstbehalt hat mich von einer Meldung des Schadens abgehalten). Der hat sich die Türe angeschaut, und gefunden dass ich logischerweise ein neues Fenster als Ersatz brauchen würde. Das anschliessende Abklappern diverser Schrottplätze hat dann leider keinen Erfolg gebracht. Jedoch habe ich während dieser Tour, was man hier oft sieht, am Strassenrand einen anderen, verlassenen Mitsubishi Colt entdeckt und beschlossen, den als Ersatzteillager zu verwenden. So kam es dann, dass spätabends sich drei mit Werkzeug und Taschenlampe bewaffnete Jungs zum besagten Fahrzeug aufmachten, und sich in einer klammheimlichen und nicht ganz einfach durchzuführenden Aktion der rechten Vorderscheibe „bemächtigt“ haben. Da hat man sich gleich wieder wie fünfzehn gefühlt.
Sehr unerfreulich empfand ich selbstverständlich auch den Ausgang der Volksabstimmung vom Sonntag. Das Echo auf die Entscheidung den Bau von Minaretten in der Schweiz zu verbieten war bis in den indischen Ozean zu hören. Das lokale „Journal de l’Ile“ hat den Ereignissen sogar seinen Frontseitenkommentar gewidmet und selbstverständlich habt ihr ja auch mitgekriegt, dass sich sämtliche wichtigen ausländischen Medien (meist negativ) zur Schweiz geäussert haben. Ich weiss nicht genau was sich das Schweizer Stimmvolk dabei gedacht hat, aber dieser Entscheid wird in meinen Augen zur Katastrophe. Die Schweiz, die bereits nach der Finanzkrise einigen Imageschaden erlitten hat, verliert nun komplett ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Neutralität, Humanität, als Standort internationaler Organisationen und in ihrer Rolle als Vermittlerin. Zudem fragt man sich schon, was direkte Demokratie bringt, wenn damit mittels billiger Angstmache solche Entscheide herbeigeführt werden können. Das bereitet mir echt Bauchschmerzen.

Das Leben geht aber natürlich weiter und so habe ich auch noch ein paar tolle Sachen erlebt. Zum Beispiel war ich das erste Mal Gleitschirm fliegen. Ist zwar nicht saumässig aufregend (also so ein bisschen gekribbelt hat’s natürlich schon), dafür aber sehr schön die Insel ein bisschen aus der Vogelperspektive zu sehen. Und ich habe nun definitiv meine Reisepläne nach Südafrika aufgegeben und freue mich, die Sommerferien gemütlich zwischen Balkon und Strand verbringen zu können.
Sodeli, das war es dann auch schon wider mit Berichten und Eindrücken für den Moment. Bis zum nächsten Mal, haltet die Ohren steif und lasst euch nicht von extremistischen Moslems erwischen!
Kubi

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