Mittwoch, 28. Oktober 2009

Vom Wetter, Vulkanen und Religionen


Liebe Festländer,
Hier mal wieder ein kleines Update aus der „Region in äusserster Randlage der EU“. Es lebt sich weiterhin gut, keine grösseren Klagen sind vorzubringen, meinerseits jedenfalls nicht.
Wettermässig (ich weiss, jetzt fang ich schon wieder damit an, aber das Thema eignet sich halt so gut als Einstieg) hat sich in den letzten Tagen ein wenig ein Umschwung vollzogen. Nebst der kontinuierlichen Temperaturzunahme gibt es (jetzt schon?) immer mal wieder ein paar Tropenschauer. Meistens nur abends, nur kurz, aber sehr heftig! Je nach Region wo man sich aufhält, kann der Regen aber schon auch mal länger dauern. So geschehen am letzten Sonntag, als wir frohen Mutes um 9 Uhr morgens (!!!!) aufbrachen, um eine Wanderung zum „trou de fer“ (etwas Wasserfall-artiges) vorzunehmen. 5-6 Stunden sollte das ganze dauern, was ich doch als gute Herausforderung an meine Kondition empfunden habe. Aber eben, bereits die Fahrt zum Ausgangsort „Hell-Bourg“ war von strömendem Regen begleitet, so dass wir uns zum Abbruch der Übung entschieden haben. Stattdessen haben wir mit meiner alten dafür unzuverlässigen Mitsubishi-Schüssel einmal die Insel umrundet, was auch ganz reizvoll war. Insbesondere die Ostküste der Insel ist faszinierend, denn dort fliesst die Lava hinunter wenn sich der mächtige Piton de la Fournaise zum Ausbruch entscheidet. So kann man also mit dem Auto der Strasse entlang fahren und die mächtigen schwarzen Ströme sehen, die sich bis ins Meer hinunter schlängeln. Das letzte solche Lavafeld vom Ausbruch 2007 ist noch nicht vollständig erkaltet. Bei Regen steigt noch Rauch aus dem Feld auf und man kann an gewissen Stellen die Hitze fühlen. Beeindruckend. Der Vulkan ist dann auch die Haupt-Touristenattraktion der Insel und so komisch dass es auch klingen mag: eigentlich wartet hier jeder wieder auf einen Ausbruch (laut Zeitung verzeichnet der Vulkan tatsächlich auch wieder eine erhöhte Aktivität).

Dann war natürlich auch wieder Party angesagt, diesmal in meinem zukünftigen Wohnort Saint Gilles. (Der Umzug dorthin scheint sich zu konkretisieren und ist für den 15. November geplant). Mein guter Freund Manu hatte seinen Geburtstag zu feiern und zu diesem Anlass eine monstermässige Sause organisiert. Und weil das Wetter (jaja) wie gesagt hier relativ angenehm ist, gibt es Clubs und Bars mit Swimming Pool. Muss man ausnützen, ist herrlich!

A propos herrlich, auch in La Réunion ist nicht alles Gold was glänzt. Bislang war man allgemein der Ansicht dass die Insel Kriminalitäts-mässig harmlos sei. Ist sie auch, im Grossen und Ganzen, aber dennoch, ich nehme an wie überall, treiben sich auch sehr zweifelhafte Gestalten umher. Insbesondere schien die Uni in den letzten Tagen ein bisschen ein Hot-Spot geworden zu sein. Auf dem Uni-Campus befinden sich einige Studentenwohnungen, wo auch viele Erasmus Studenten untergebracht sind. Und obwohl das Gelände „gesichert“ ist (na ja, hoher Zaun und Security-Guards die patroullieren, aber jeder Säugling kennt die Stelle bei der Brücke, wo der Zaun nicht geschlossen ist), kam es zu ein paar versuchten Einbrüchen in die Zimmer (anscheind via Erklettern der Fassade) und zu Schlägereien auf dem Gelände. Da bin ich doch fast wieder froh nicht dort zu wohnen ;-)
Und aus aktuellem Anlass will ich noch etwas über das Miteinander der Religionen wiedergeben. Schliesslich findet ja Ende November in der Schweiz eine weitere unsägliche Abstimmung statt, die m.E. mal wieder Ängste der Bevölkerung auf popularistische Weise auszunutzen versucht, ohne irgend einen Erfolg herbeizuführen (wenigstens haben das auch die Herren Maurer und Spuhler verstanden). In La Réunion gibt es gute zwanzig Prozent Hindus und Muslime, die alle ihre Religion vollumfänglich praktizieren. So steht mitten in der Innenstadt eine grosse (und schöne) Moschee inklusive Muezzin der abends über die Dächer ruft. 100m davon steht ein prunkvoller Hindutempel und die gleiche Distanz in die andere Richtung eine herrliche alte Kirche. Auch die Hindus machen auf sich aufmerksam und feiern gerne bunte Feste. Die sind übrigens so schön, dass die ganze Bevölkerung jeweils mitfeiert (inklusive die Uni, wo Hindu-Tänzerinnen das Mittagessen begleitet haben. Direkt neben der Uni steht übrigens auch noch eine Moschee). Probleme? Keine. Wieso auch, macht ja niemand etwas böses, und Terroristen die sich in den Minaretten verstecken habe ich auch noch keine gesehen. Eh ja, nur so zum sagen, es geht auch anders.

Dann wäre ich auch schon wieder am Ende meines kleinen Berichts angelangt. Donnerstag geht’s dann das erste Mal segeln und am Wochenende eventuell ans Konzert von „The Wailers“.
Bis Balde im Walde!
Kubi

Montag, 19. Oktober 2009

974, c’est ici que je vie!


Helas meine Damen und Herren,
Ich hoffe es geht euch immer noch gut im schönen Schweizerland, trotz dem eklatanten Temperatursturz denn ihr anscheinend erleiden musste. Ich suhle mich immer noch bei wohligen knapp 30 Grad, aber nicht dass ich jetzt damit angeben möchte. Das Wetter (nein, ich habe nachher tatsächlich auch noch über spannenderes zu berichten) ist hier echt lustig. So kann es durchaus vorkommen, dass es in Saint-Denis warm und sonnig ist, 30 km der Küste hinunter eine apokalyptische Sintflut (ich spreche von 10cm Wasser auf der Strasse innerhalb von knapp 20 Minuten Regen) herrscht und weitere 15 km später wieder die Sonne scheint. Muss ein Paradies für Geographen sein, Mikroklimas everywhere!

Seit dem letzten Bericht hat sich glücklicherweise einiges getan. Nicht nur das die Haare an meinem Arm langsam blond werden, nein auch wirklich zukunftsweisendes! So habe ich nach langem Überlegen und rumsuchen nun eine einigermassen Studentengerechte Methode gefunden, wie ich meine Semesterferien in Südafrika verbringen kann. Dazu musste ich auch nur einen Flug verschieben, drei Flüge und zwei Schiffspassagen buchen. Ich mag aber abenteuerliches Reisen und so werde ich vom 17. Dezember bis am 18. Januar auf dem Festland im Kreise von Freunden weilen. Jupii!

Um nochmals aufs Wetter zurückzukommen (jetzt nicht gähnen) es gibt einen Ort an der Westküste namens Saint Gilles, wo eigentlich immer die Sonne scheint. Obwohl dort oft nachmittags schwarze Wolken den Berg hinunterkommen, erreichen die nie diesen wunderschönen Ort mit grosszügigem Strand. Und die Sonne scheint auch Abends im Herzen der Menschen beim Besuch der zahlreichen Bars und Clubs. Lange Einleitung kurzer Sinn, in diesen Ort werde ich am 15. November umziehen. Höchstwahrscheinlich, denn sicher ist ja bekanntlicherweise nichts, und schon gar nicht in la Réunion. Aber ich bin guter Dinge (und habe eine mündliche Zusage) bald eine kleine WG mit vielen Deutschen in unmittelbarer Strandnähe bewohnen zu können, und die Wohnung dann ab Januar mit einer netten Zürcherin zusammen zu übernehmen.

Jo daneben gibt es eigentlich nicht’s mehr weltbewegendes zu erzählen. Die üblichen Parties halt, einmal grosser Pokerabend bei uns zu Hause (und ich war gar nicht mal soo schlecht) und einmal Strandparty (aufwachen mit sandigen Haaren inbegriffen). Passt mir jetzt nicht so, dass die Seite noch nicht voll sind, deswegen noch zwei vielleicht interessante Alltagsepisoden: Die erste ist übers einkaufen, ich habe schon erwähnt dass La Réunion nicht gerade ein Paradies für Dagobert Duck’s Nachkommen ist. Dabei fehlt es an nichts, die Supermärkte sind riesig und die Regale meist prall gefüllt, ausser wenn ein Versorgungsschiff Verspätung hat. Jedoch kann eben das Einkaufen schon deprimierend werden. Insbesondere wenn man seinen Mitbewohner mit einer Aargauer Rüeblitorte überraschen will. Rüebli sind günstig, Zucker sowieso. Aber in eine bodenständige Rüeblitorte gehören halt gemahlene Mandeln, 250 Gramm wie Betty Bossi zu wissen scheint. Gemahlene Mandeln hängen im Supermarkt gleich neben den Geburtstagskerzen, und kosten stolze 6 Franken das Päckli. Dummerweise nur 125 Gramm im Päckli, also mussten zwei her. Das ergibt also vom Kilopreis her etwa Schweizerisches Rindsfilet (was ich denn Mandeln auch vorziehen würde, dummerweise ist solches hier noch teurer).
Die zweite ist über den verbreitenden Alkoholismus im Strassenverkehr. Nicht während dem Autofahren, da wurde es noch nie bedrohlich. Aber die Fussgänger, die können teuflisch sein. So kann es am heiterhellen Tag vorkommen, dass sich ein älterer Herr entscheidet, mitten auf der Strasse sein Mittagsschläfchen abzuhalten. Der war dann auch durch penetrantes Hupen nicht mehr aufzuwecken, also blieb nur noch der Weg übers Trottoir… 30% Arbeitslosigkeit und 49%iger, spottbilliger Rum ergeben halt 79% Betrunkene!
Nun gut, zuletzt bleibt noch die Erklärung des Titels. Der hat mit Lokalpatriotismus zu tun. 97 ist die Departementsnummer von La Réunion und 97400 die Postleitzahl von Saint Denis. Und in Frankreich scheint das ein Zeichen von Zugehörigkeit zu sein. 974 findet sich also auf zahlreichen T-Shirts, Autos und in lokalen HipHop Songs. Yeah Yeah.
Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu viel Belangloses gebrabbelt habe und verbleibe mit den freundlichsten Grüssen und besten Wünschen bis zum nächsten Mal.
Kubi

Sonntag, 11. Oktober 2009

La bonne ambiance



Liebe Liebende,
Endlich ist es so weit und es gibt wieder etwas zu lesen. War auch ziemlich viel los in letzter Zeit, dazu aber etwas später. Ganz allgemein geht es mir immer noch ausgezeichnet, bin wohlgenährt und dennoch gesund ;-) Einzig der Uni stehe ich trotz regelmässigen Besuchen immer noch kritisch gegenüber. Ich will ja auch nicht zu viele ECTS-Punkte holen und mir dann aufgrund der schlechten Ausbildung die Karriere versauen, da mache ich besser nicht zu viel ;-) (Keine Angst liebe Erziehungsberechtigte, nicht zu viel ist auch genug!).
Eines habe ich an der Uni aber auf alle Fälle gelernt, und das hat mir etwas zu denken gegeben. Deswegen wollte ich das an dieser Stelle mal wiedergeben: Die Schweiz, mein/unser gutes Heimatland hat im Ausland inzwischen einen wirklich schweinisch schlechten Ruf. Ich vergleiche mein Jahr hier (allzu) oft mit dem Austauschjahr in Südafrika und ich weiss nicht ob es nur ein Zufall ist, aber damals (02/03) war die Reaktion auf meine Schweizer Herkunft immer durchwegs positiv, beeindruckt und ein bisschen neidisch. Heute sind wir Europa’s Clowns. Zurückgeblieben, veraltet, geldgierig und rechts-populistisch (das schwarze-Schaf-Plakat kennt halb Europa). Es ist schon so, dass die Leute in Reunion politisch einiges besser informiert sind in Südafrika, aber so krass kann der Unterschied eigentlich nicht sein. Ich weiss nicht wieso ich das erwähne, aber ich denke für die Daheimgebliebenen ist es vielleicht gut zu wissen, wie die internationale Auffassung so aussieht. Und falls jemand politisch engagiertes das liest: werdet bitte progressiver! Nun genug politisiert.
Wie gesagt, von den Ausser-Universitären Aktivitäten gabs in letzter Zeit wie gesagt einige. Erwähnenswert ist sicher die Party, die wir in unserem WG-Haus veranstaltet haben. Erasmus-Studenten sind ja anscheinend immer dankbar wenn etwas läuft und so kam es auch, dass sich trotz des zurückhaltenden Verteilens von Einladungen gute 50 Leute auf unserer Terrasse und im Garten versammelt haben. Die Party war dann auch „comme il faut“: laute Musik, interhumanoide Aktivitäten und, natürlich, Rum mit Früchten in 4,5 Liter Flaschen. Es war sogar so gut, dass einige erst 24 Stunden nach Party-Beginn wieder gegangen sind. Zudem haben sich meine Mitbewohner als wirklich gute und unkomplizierte Leute erwiesen.

Danach folgte eine kurze Pause mit kleinen universitären Aktivitäten und schon war es Zeit meinen Geburtstag „Island-Style“ zu feiern. Auch das war hervorragend und dauerte ebenfalls rund zwei Tage vollgefüllt mit Festivitäten, inklusive einer ruhigen und einer ausschweifenden Party und Frühstück (mit Champagner) ans Bett von meinen Mitbewohnern serviert. An dieser Stelle noch ein ganz herzliches Dankeschön für die vielen Glückwünsche von der anderen Seite der Welt, denen ich noch nicht persönlich gedankt habe.
Nach der Party folgte ein intensives Weekend das seinen Anfang in Saint-Gilles fand. Kurz gesagt war ich nach einem Nachmittag am Strand bei Freunden in der WG (mit Strandsicht) zu Gast, wo nach einem schönen Aufwärmen ein intensiver Ausgang folgte. Saint-Gilles ist die Partymetropole und das Strandmekka der Insel. Ich bin übrigens schon mit Leuten in Kontakt getreten und werde versuchen nach Ablauf meiner WG-Zeit dorthin zu ziehen. Das Leben dort ist einfach fantastisch. Und für alle potentiellen Reunion-Besucher: Freut euch, wenn das Projekt klappt wird’s richtig gut ;-) Der Rest des Weekends war dann diversen Schönheiten gewidmet, leider nicht menschlicher Art, da sind die Fortschritte eher schleppend. Ich spreche eher von traumhaften Wasserfällen mit azurblauen Pools, beeindruckenden schwarzen Steilküsten und abenteurlichen Wanderungen.

Dazu kommen ca. 3 ganze verzehrte Hühnchen vom Strassenrand (gegrillt natürlich, die sind echt super und ausserdem etwas vom wenigen fleischhaltigen was man sich hier überhaupt leisten kann. Reunion ist Lebensmittel-mässig schon sehr kostspielig, jedenfalls wenn man sich wie ich gerne mal was gutes gönnt ;-) Jaja, es gibt immer noch haufenweise Sachen zu entdecken hier. Die Planung für die nächsten Wochen steht zwar noch nicht, aber nebst dem Uni-Teil werden sicher noch einige Wanderungen auf dem Programm stehen. Und Ende Oktober geht der Segelkurs los, worauf ich mich tierisch freue.
So, ich gehe bereits schon gegen das Ende zu und hoffe dass der kleine Text den Informationshunger etwas stillt. Ich freue mich übrigens sehr, von wie vielen Leuten der Blog anscheinend gelesen, auch von solchen die ich nie als Leser erwartet hätte ;-) Macht weiter so, dann schreibe ich vielleicht auch mal wieder was! ;-)
Hebet Sorg und hebets guet und vorauem „löht nech nüt lo gfaue“ (Zitat B. Huber)
Kubi