
Liebe Festländer,
Hier mal wieder ein kleines Update aus der „Region in äusserster Randlage der EU“. Es lebt sich weiterhin gut, keine grösseren Klagen sind vorzubringen, meinerseits jedenfalls nicht.
Wettermässig (ich weiss, jetzt fang ich schon wieder damit an, aber das Thema eignet sich halt so gut als Einstieg) hat sich in den letzten Tagen ein wenig ein Umschwung vollzogen. Nebst der kontinuierlichen Temperaturzunahme gibt es (jetzt schon?) immer mal wieder ein paar Tropenschauer. Meistens nur abends, nur kurz, aber sehr heftig! Je nach Region wo man sich aufhält, kann der Regen aber schon auch mal länger dauern. So geschehen am letzten Sonntag, als wir frohen Mutes um 9 Uhr morgens (!!!!) aufbrachen, um eine Wanderung zum „trou de fer“ (etwas Wasserfall-artiges) vorzunehmen. 5-6 Stunden sollte das ganze dauern, was ich doch als gute Herausforderung an meine Kondition empfunden habe. Aber eben, bereits die Fahrt zum Ausgangsort „Hell-Bourg“ war von strömendem Regen begleitet, so dass wir uns zum Abbruch der Übung entschieden haben. Stattdessen haben wir mit meiner alten dafür unzuverlässigen Mitsubishi-Schüssel einmal die Insel umrundet, was auch ganz reizvoll war. Insbesondere die Ostküste der Insel ist faszinierend, denn dort fliesst die Lava hinunter wenn sich der mächtige Piton de la Fournaise zum Ausbruch entscheidet. So kann man also mit dem Auto der Strasse entlang fahren und die mächtigen schwarzen Ströme sehen, die sich bis ins Meer hinunter schlängeln. Das letzte solche Lavafeld vom Ausbruch 2007 ist noch nicht vollständig erkaltet. Bei Regen steigt noch Rauch aus dem Feld auf und man kann an gewissen Stellen die Hitze fühlen. Beeindruckend. Der Vulkan ist dann auch die Haupt-Touristenattraktion der Insel und so komisch dass es auch klingen mag: eigentlich wartet hier jeder wieder auf einen Ausbruch (laut Zeitung verzeichnet der Vulkan tatsächlich auch wieder eine erhöhte Aktivität).

Dann war natürlich auch wieder Party angesagt, diesmal in meinem zukünftigen Wohnort Saint Gilles. (Der Umzug dorthin scheint sich zu konkretisieren und ist für den 15. November geplant). Mein guter Freund Manu hatte seinen Geburtstag zu feiern und zu diesem Anlass eine monstermässige Sause organisiert. Und weil das Wetter (jaja) wie gesagt hier relativ angenehm ist, gibt es Clubs und Bars mit Swimming Pool. Muss man ausnützen, ist herrlich!

A propos herrlich, auch in La Réunion ist nicht alles Gold was glänzt. Bislang war man allgemein der Ansicht dass die Insel Kriminalitäts-mässig harmlos sei. Ist sie auch, im Grossen und Ganzen, aber dennoch, ich nehme an wie überall, treiben sich auch sehr zweifelhafte Gestalten umher. Insbesondere schien die Uni in den letzten Tagen ein bisschen ein Hot-Spot geworden zu sein. Auf dem Uni-Campus befinden sich einige Studentenwohnungen, wo auch viele Erasmus Studenten untergebracht sind. Und obwohl das Gelände „gesichert“ ist (na ja, hoher Zaun und Security-Guards die patroullieren, aber jeder Säugling kennt die Stelle bei der Brücke, wo der Zaun nicht geschlossen ist), kam es zu ein paar versuchten Einbrüchen in die Zimmer (anscheind via Erklettern der Fassade) und zu Schlägereien auf dem Gelände. Da bin ich doch fast wieder froh nicht dort zu wohnen ;-)
Und aus aktuellem Anlass will ich noch etwas über das Miteinander der Religionen wiedergeben. Schliesslich findet ja Ende November in der Schweiz eine weitere unsägliche Abstimmung statt, die m.E. mal wieder Ängste der Bevölkerung auf popularistische Weise auszunutzen versucht, ohne irgend einen Erfolg herbeizuführen (wenigstens haben das auch die Herren Maurer und Spuhler verstanden). In La Réunion gibt es gute zwanzig Prozent Hindus und Muslime, die alle ihre Religion vollumfänglich praktizieren. So steht mitten in der Innenstadt eine grosse (und schöne) Moschee inklusive Muezzin der abends über die Dächer ruft. 100m davon steht ein prunkvoller Hindutempel und die gleiche Distanz in die andere Richtung eine herrliche alte Kirche. Auch die Hindus machen auf sich aufmerksam und feiern gerne bunte Feste. Die sind übrigens so schön, dass die ganze Bevölkerung jeweils mitfeiert (inklusive die Uni, wo Hindu-Tänzerinnen das Mittagessen begleitet haben. Direkt neben der Uni steht übrigens auch noch eine Moschee). Probleme? Keine. Wieso auch, macht ja niemand etwas böses, und Terroristen die sich in den Minaretten verstecken habe ich auch noch keine gesehen. Eh ja, nur so zum sagen, es geht auch anders.

Dann wäre ich auch schon wieder am Ende meines kleinen Berichts angelangt. Donnerstag geht’s dann das erste Mal segeln und am Wochenende eventuell ans Konzert von „The Wailers“.
Bis Balde im Walde!
Kubi







