Donnerstag, 10. September 2009

Une guele de bois





Sehr geehrte Damen und Herren, nun sitz ich hier und schreibe also wieder. Hingegen hoffe ich, dass sich niemand allzu sehr an den quasi wöchentlichen Schreibrythmus gewöhnen wird, denn ich befürchte dass sich Schreiblust und spannende Erlebnisse umgekehrt proportional zur Länge der Aufenthaltsdauer verhalten.
Noch ist es aber lange nicht so weit und solange wird auch weiter geschrieben. Inzwischen sind es also nun zwei Wochen in La Réunion und wie erwähnt hat sich das Leben noch lange nicht normalisiert. Erstmal prägend war, wie im vorhergehenden Eintrag bereits angedeutet, die Komplexität der Universität. Nebst der Bürokratie ist es auch ziemlich schwierig sich hier Informationen über vitale Dinge wie Ort, Zeit und Inhalt der Vorlesungen zu verschaffen. Zwar sind die Leute freundlich und bemüht, aber auch für Sie scheint Information kein allgemein verfügbares Gut zu sein. Lustiger Nebeneffekt der Freundlichkeit sind übrigens ausgesprochen lange Wartezeiten, und zwar quasi überall. So war ich neulich auf der Post (Wartezeit ca. 30 min.), dafür war die Dame am Schalter wirklich supi, hat mir diverse Sachen empfohlen und erklärt und noch ein bisschen über die Schweiz gequatscht, was mir dann aber schon fast peinlich war bei den gefühlten 500 Wartenden hinter meinem Rücken. Aber ich glaube Geduld lernt man hier schnell. Ich hab inzwischen auch die ersten paar Vorlesungen besucht. Ist ganz spannend muss ich sagen, vor allem „Histoire de l’Océan Indien“. Allerdings sind die Klassen in den Masterkursen hier ziemlich klein (und zahlreich), was ich als Nachteil sehe, denn dann merken alle immer wenn ich fehle. Egal, sie werden sich daran gewöhnen müssen, denn….tätää…ich habe mir inzwischen zwecks Erhöhung der Mobilität ein Auto beschafft. Ein wahres Bijou en fait, Mitsubishi Colt, Jahrgang 1990 mit stolzen 205000 km auf dem Tacho. Hat dafür meinen Geldbeutel nicht all zu sehr belastet und fährt noch ausgezeichnet (abgesehen von einigen kleinen, unbedeutenden fehlenden oder defekten Teilen wie zum Beispiel der hintere Scheibenwischer, der seine Runden lieber unterhalb der Scheibe dreht ;-) Leider hat der Fahrzeugkauf auch neue bürokratische Hürden mit sich gebracht. Versicherung (Wartezeit: 45 Min, 3 Formulare ausgefüllt) und Fahrzeugausweis (noch zu erledigen, vorhergesagt werden ebenfalls ca. 3 Formulare).
Ja und mit der neuen Mobilität war ich in letzter Zeit ziemlich unterwegs. Vor allem am Strand halt, bin sogar schon braun (also zuerst rot) geworden. Mit einem Freund war ich sogar mal zum Fischen am Meer. Habe mir fest vorgenommen das öfters zu machen, ist echt ein „Sport“ der mir zusagt. Man ist draussen und muss sich trotzdem nicht zu sehr bewegen. A propos, ich habe mich auch für den Uni-Sport angemeldet (Wartezeit: 20min.; auszufüllende Formulare: 2). Keine Angst, ich werde nicht zum Triatlethen. Aber ich werde segeln lernen und darauf freue mich enorm. Geht zwar erst Ende Oktober los, aber ich bin jetz schon ganz kribbelig.
Ich bin inzwischen wie angekündigt in die WG eingezogen, das ist eine tiptope Sache. Wir sind hier 4 Erasmus-Leute (ein Deutscher, eine Deutsche, eine Schwedin und der Kubi us dr Schwiiz) zusammen mit zwei Franzosen. Das Haus entspricht zwar nicht ganz unseren Standards, ist aber saugemütlich mit einer grossen Terasse wo jeden Abend der Feierabend-Rum eingenommen wird und einem Balkon mit Meersicht. Lässt sich also trotz nicht unbedeutender bautechnischer (die Toilette ist oben offen) und hygienischer (na ja Lockerheit und Sauberkeit sind halt Gegensätze) Mängel ganz gut aushalten hier.
Gestern sind wir dann das erste Mal richtig in Saint Denis Party machen gegangen. Mit seeeehr vielen anderen Erasmus-Studenten. Die haben sich auch alle Mühe gegeben die jeweils existierenden Klischees zu erfüllen, man denke an eine Horde Engländerinnen ;-) Was aber sonst ganz lustig, obwohl die Bierpreise im spätabends besuchten Nachtclub dann doch die angeheiterte Stimmung massiv bremsten (8 Euro, und dann erst noch Heineken). Für eine „geule de bois“ (Holzfresse = Kater) hat es aber heute dann doch gut gerreicht, immerhin konnte ich ihn am Strand ausschlafen gehen.
Dann gehe ich jetz doch lieber wieder schlafen. Ich danke für die ungeteilte Aufmerksamkeit und verbleibe mit den besten Wünschen bis zum nächsten Mal.

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