
Bonjour a tous,
Einmal mehr ist es höchste Zeit für ein News-Bulletin aus dem tropischen Paradies. Das Wetter ist immer noch schön und (etwas zu) warm, es sind immer noch Ferien. Und von da her ist das Leben immer noch rosig, ausser dass ich es weiterhin noch nicht fertig gebracht habe, per Angel einen *%&*+-Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Gut für die Fische, schlecht für meinen Magen. Nebst Fischen und Strand ist aber nicht viel los. In Saint-Gilles gibt es noch eine andere WG mit Erasmus-Studenten vorwiegend deutscher Herkunft. Die hängen dann entweder bei uns rum oder wir machen zwischendurch ein bisschen Party zusammen.
Obwohl in der eigenen WG auch schon genug los ist, hat doch unsere ganz persönliche Touri-Saison begonnen. Nachdem Ninas Eltern die Insel besucht haben sind jetzt zwei Ihrer Freundinnen aus Fribourg bei uns zu Gast. Danach freue ich mich auf etwas mehr als drei Wochen Besuch aus der Schweiz. Der grosse Vorteil: Wir sind jetzt mehr als ausreichend mit Schweizer Schoggi versorgt. Und da Ninas Vater offensichtlich ein Genussmensch ist, steht auch eine Flasche Glenfiddich (12 Jahre alter Whisky) auf dem Schrank. Der ist fast noch besser als Schoggi.
Das grosse Ferienereignis bislang war aber sicherlich der Ausbruch des lokalen Vulkans, des Piton de la Fournaise. Obwohl er als einer der aktivsten Vulkane der Welt gilt, ist eine Eruption natürlich immer ein Ereignis. Ausnahmsweise fand dieses mal der Ausbruch im Inneren des Kraters statt, wogegen bei den Ausbrüchen davor jeweils Lava an der Aussenseite des Vulkans Richtung Meer floss, was natürlich etwas spektakulärer ist.

Aber man nimmt was man kriegen kann, und so sind wir direkt am ersten Tag nach der Wiederöffnung des Wanderwegs zum Krater losgelatscht. Dieser Weg ist nicht ganz ohne, und die Wanderung „aller-retour“ braucht notabene gute 5 Stunden. Neben der Tatsache, dass wir komplett nachts gewandert sind kam erschwerend noch heftiger und dauerhafter Regen dazu. Aber es hat sich gelohnt, die Lava-Fontänen und die Ströme die man sehen kann sind insbesondere nachts ein einmaliges Spektakel. So schön, dass ich eine Woche später die Wanderung wiederholt habe. Immerhin war dann der Hinweg bei Tageslicht und Regen gabs auch keinen mehr.
A propos wandern, morgen beginnt das grosse Projekt der Ferien: Mafate. Das ist einer der drei „Cirques“ (= Talkessel?) auf La Réunion die sich aus der Erosion des erloschenen zweiten Vulkans, des Piton des Neiges geformt haben. Mafate besitzt als einziger der drei die Eigenschaft, dass er nicht per Strasse erschlossen ist. Man muss also hinwandern oder den Helikopter nehmen (Zweiteres ist angenehmer aber leicht teurer). Geplant ist, Mafate während drei Tagen zu erkunden, Erlebnisse folgen im nächsten Eintrag.
Wie man ja mitgekriegt hat, teile ich nebst der Wohnung nun auch mein Auto zwischendurch mit meiner Mitbewohnerin. Das ist erstens eine Gewöhnungssache und führt zweitens dazu, dass ich zwischendurch tatsächlich auch mal den Bus hier benutze. Das ist gar nicht mal so schlecht, denn die „Car Jaune“ sind gar nicht mal so schlecht. Und man erlebt einiges, nebst besoffenen und laut singenden Mitfahrern kann es auch sein, dass einem Jung-Gangster an der Weiterfahrt hindern, nur weil sie wütend sind darüber, dass der Bus schon voll sind.

Und wenn man nichts erlebt hat man Zeit zum Zeitung lesen. Die lokalen Zeitung repräsentieren hervorragend „ladilafé“ (Tratsch), der sowieso einer der Nationalsportarten der Insel darstellt. So findet man dann auf 40 Seiten den reunionesischen Inlandsteil (verglichen mit 5 Seiten Frankreich und 2 Seiten Ausland), vollgestopft mit unglaublich wichtigen Meldungen aus der Nachbarschaft. So zum Beispiel die juristischen Probleme zweier benachbarter Apotheken oder Madame Favre, die den besten „Gateau Créol“ der Insel macht. Daneben natürlich auch Berichte über leider sehr zahlreiche, Alkohol-bedingte Unfälle und Verbrechen. Interessanterweise finden sich aber auch bei diesen Meldungen fast immer der vollständige Name und der ungefähre Wohnort von Täter und Opfer.
Das wärs also wieder vom Reunionesischen Alltag. Ich geh mal Wandermaterial kaufen und wünsche eine gute Zeit und viel Freude mit dem Schnee.
Liebe Grüsse
Kubi
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