
Geneigte Leser, Werte Schweizer, Liebe Frauen und Männer,
In der Befürchtung dieses rechtsbürgerliche Begrüssungsritual in der Schweiz immer öfter hören zu müssen und nichts dagegen machen zu können, halte ich es auf der kleinen und friedlichen Insel im indischen Ozean fast nicht mehr aus. Nach der Minarettinitiative kommt nun die Ausschaffungsinitiative und weitere Abstrusitäten wie die Vorstösse zur Beschränkung der Deutschen und Französischen Einwanderer. Da entsteht doch für mich der Eindruck, dass die abgeschottete aber weltoffene Insel La Réunion doch besser mit der Schweiz die geographischen Plätze tauschen sollte. Hier im indischen Ozean könnte die SVP und ihre Gefolgschaft gemütlich Zuckerrohr anbauen, ohne dass Sie dabei gross gestört werden würde (einzig ein paar Minarette müsste man vorher zerstören).
Von diesen Sorgen getrieben drängt es mich zurück in die Schweiz, um gegen die fortführende Antiquisierung (?) der Schweiz ins Feld zu ziehen. Ich werde also meine Studien nicht fortführen, sondern stattdessen einen Monat lang revolutionären Unterricht im Putsch-Erprobten Madagaskar zu geniessen. Nach der Rückkehr zur Schweiz wird dann die „Bewegung für eine moderne Schweiz“ gegründet, welche die politische Landschaft der Schweiz aufrütteln wird.
Gut, etwas ernsthafter: Tatsächlich haben sich meine Pläne hier etwas geändert und ich habe mich aus diversen Gründen (finanzielle, studientechnische und moralische) dazu entschieden, dass 2. Semester hier nicht mehr weiterzustudieren. Stattdessen werde ich nach einer ausgedehnten Madagaskarreise am 23. April um 13.40 Ortszeit meine Füsse wieder auf Schweizer Boden setzen und dann dort mit Vollgas Studium und Kontoaufbesserung weiter zu betreiben. Der Gram über die politische Situation in der Schweiz ist aber natürlich nicht erfunden. Die Gründung eines politischen Gegengewichts fern von alten und festgefahrenen Parteimustern wäre doch eine gute Idee. Jemand Interesse?
Nebst der Ausreifung politischer Ideen habe ich natürlich seit dem letzten Eintrag auch sonst noch so einiges getrieben. Wie bereits angekündigt habe ich die 3 Tage dauernde Durchquerung des Cirque de Mafate vorgenommen. Begleitet von einer sehr sympathischen deutschen Mitstudentin und bepackt mit ca. 15 Kilogramm Material ging’s auf die rund 30 Kilometer und 3000 Meter Höhendifferenz umfassende Wanderung. Ich weiss, für Militärerprobte ist es Nasenwasser. Aber wer mich kennt, der weiss: ist schon mal nicht schlecht. Der Cirque ist darüber hinaus extremst beeindruckend. Wie gesagt gibt es keine Strassen und keine Autos, dafür steilabfallende Bergflanken, sympathische Weiler, beeindruckende Schluchten und wunderschöne Wasserfälle. Ein grosses Erlebnis also.

Inzwischen habe ich nun auch den ersten Besuch aus der Schweiz bekommen. Meine langjährigen Freunde Nik und Irène weilen zurzeit bei mir. Mit der vollzogenen Ferienverlängerung gefällt es mir richtig gut für die beiden ein bisschen den Reiseführer zu mimen. Ich glaube es gefällt Ihnen auch recht gut, jedenfalls zeigen sie sich beeindruckt von der drückenden Hitze, der Schärfe der Chilis, der Namensgebung des lokalen Biers und der Qualität des einheimischen Fisches. (Tämmi: vor allem 1A Thunfisch den wir in rauen Mengen verputzen. *höhö*). Danach folgt dann noch der Besuch meiner Mam und nach Madagaskar derjenige meines Bruders und seiner Freundin, worauf ich mich natürlich ausserordentlich freue.
Daneben werden natürlich noch die „normalen“ Aktivitäten fortgeführt: Strand, Fischen (wegen mangelndem Erfolg und somit mangelnder Motivation etwas auf Sparflamme) und Segeln. Beim letzten Segeltrip, alleine auf einer Nussschale im offenen Meer, habe ich es allerdings fertig gebracht, diejenige dreimal zu kentern. Ist zwar witzig aber auch anstrengend, und spricht nicht gerade für grosses Talent. Aber was soll’s.
Das wär’s dann doch mal wieder mit News von mir. Ich freue mich natürlich auf jegliche News von der Heimat und mit etwas veränderter Bedeutung sage ich: Bis Bald!
Kubi
Carissimo Kubi, deiner Idee mit der Neugründung einer unvorbelasteten und vor allem sachpolitikorientierten (also auch keine "Piratenpartei") neuen Partei für die Schweiz schliesse ich mich gerne gleich an.
AntwortenLöschenFalls ich nicht noch am Schule geben bin, dann schau ich, dich am Flughafen abholen zu kommen, um gleich mit der Bestellung der Statuten zu beginnen. Oder zumindest ein Bier trinken zu gehen und das weitere Vorgehen auszumachen... ;-)
Grüässlär, Vulkan
Schliesse mich auch an (an die Partei und ans Bier)! Ist die Parteisekretärstelle noch frei? ;-)
AntwortenLöschenLiebe Grüsse
Danke sehr, mann muss nur eine Partei gründen und schon kriegt man so viele Kommentare wie noch nie zuvor.
AntwortenLöschenDie Idee besteht vorerst natürlich erst im Kopf. Für mich müsste es wie bereits gesagt eine Partei oder eher eine Bewegung sein, die sich rein auf Sachfragen konzentriert. Wissenschaftlich und nüchtern und mit dem Hintergedanken, die Schweiz weiterhin als modernen, wolhabenden, wirtschaftlich starken aber auch traditionell humanitären und sozialen Staat zu bewahren. Beispiel: Migrationspolitik. Meines Wissens bringt es keine Partei zustande, ein gutes und erprobtes (Erfahrungen im Ausland) Konzept zu Fragen wie Asylgewährung oder Integration auf die Beine zu stellen. Das führt dann dazu, dass eine halb-patente Lösung, die laut rausgepoltert wird, vom Volk unterstützt wird. Müsste doch irgendwie besser hinzukriegen sein...
Ich halte euch auf dem laufenden ;-)
Selbstverständlich macht so viel reden resp. schreiben und vor allem denken durstig. Für's Bier und für Parteisekretärinnen (aber vor allem für's Bier) bin ich natürlich ausserordentlich gerne zu haben. Rückflugdatum ist ja jetzt bekannt, oder gerne kurz danach, werde glaub nicht all zu "busy" sein!
AntwortenLöschenLg